DxO PhotoLab

HDR Effekte aus nur einem einzigen RAW Bild erstellen

In Zusammenarbeit mit Gilles Theophile

In diesem Tutorial sehen wir, wie man Bildinformationen aus einer einzigen RAW-Datei gleichzeitig in hellen und dunklen Bildbereichen herausarbeiten und wiederherstellen kann um ein ausgewogenes Bild mit realistischer Wiedergabe zu erhalten.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen benötigen Sie:

  • DxO Optics Pro 9.
  • RAW-Bilder.
  • Sie können aber auch HIER Demobilder herunterladen.

1- Was ist HDR?

HDR steht als Abkürzung für High Dynamic Range, was als „hoher Dynamikumfang“ übersetzt werden kann. Die HDR-Technik erlaubt die Wiederherstellung und Ausarbeitung von Bildinformationen in allen Bildbereichen unabhängig von deren Belichtung: Daher kann man Bilder erstellen, die gleichzeitig in hellen wie auch in dunklen Bildbereichen über hohe Detailinformationen verfügen.

HDR-Bilder werden im Allgemeinen durch das Überlagern mehrerer unterschiedlich belichteter Bilddateien (einer Belichtungsreihe) erstellt. Nichtsdestotrotz ist es mit dem leistungsstarken Korrekturalgorithmus in DxO Optics Pro 9 in Verbindung mit dem immensen Fortschritt beim Aufzeichnen von Dynamikumfang heutiger Kameras möglich, alle Bildinformationen aus den verschiedenen Bildbereichen aus nur einem einzigen RAW-Bild herauszuarbeiten und so die Belichtung in Bildern auszubalancieren, die einen hohen Kontrastumfang aufweisen. Obwohl die HDR-Fotografie eine starke künstlerische Konnotation hat, erlaubt diese Methode gleichwohl die Erstellung absolut natürliche Bilder, mit dem Ziel Details sowohl in dunklen als auch hellen Bildbereichen hervorzuheben. Beispielsweise ist es fast unmöglich bei einem Foto von einem Gebäude im Vordergrund mit einem extrem hellen Himmel im Hintergrund bereits bei der Aufnahme beide Bildbereiche korrekt zu belichten.

DxO Optics Pro 9 bietet einige Werkzeuge, die für den Umgang mit solchen Szenarien besonders gut geeignet sind: Neben Belichtungskorrektur und Smart Lighting bietet die Unterpalette „Selektive Tonwerte“ die Möglichkeit, gleichzeitig Schatten, Spitzlichter und Mitteltöne separat zu korrigieren ohne dabei mehrere Bilder zusammenzurechnen. Sie können daher ein einziges RAW-Bild verwenden um eine HDR-Entwicklung zu erzielen.

Die Unterpalette „Selektive Tonwerte“

Die Unterpalette Selektive Tonwerte, die sich in der Palette Belichtung und Farbe – Erweitert befindet wenn Sie sich im Arbeitsbereich DxO Fortgeschrittene Anwender bewegen, verfügt über vier Schieberegler, die sich jeweils auf verschiedene Bildbereiche auswirken:

  • Spitzlichter: Wirkt auf die hellen Bildbereiche ein
  • Mitteltöne: Wirkt in mittleren Bildbereichen, d.h. auf Bildelemente, die keine besonders hohe Helligkeit aufweisen (wie Himmel, Weiß, Wasseroberfläche, metallische Oberflächen etc.) oder die nicht besonders dunkel sind (tiefe Schatten, Elemente im Gegenlicht oder im Dunkeln, dunkle Teints etc.)
  • Schatten: Wirkt in schattigen Bildbereichen
  • Tiefen: Wirkt auf die Intensität und Tiefe der schwarzen Bildbereiche ein

Die Unterpalette Kontrast

Bei dieser Übung bedienen wir uns der Schieberegler Kontrast und Mikrokontrast der Unterpalette Kontrast, die über die Palette Belichtung und Farbe zugänglich sind. Über diese Schieberegler fügt man einem Bild mehr Dynamik hinzu, denn eine Manipulation der Helligkeit kann einen Kontrastausgleich herbeiführen und ein Bild flau erscheinen lassen.

  • Der Schieberegler Kontrast zeigt Wirkung auf das gesamt Bild und betont die Diskrepanz zwischen Schatten und hellen Bildbereichen, was die dunklen Bildbereiche noch dunkler und die hellen Bildbereiche noch heller erscheinen lässt (Schieberegler nach rechts) oder die Helligkeitsunterschiede abschwächt (Schieberegler nach links). Wenn Sie also den Kontrast signifikant erhöhen, wird die Bildsättigung entsprechend beeinflusst und die Farben im Bild werden ebenfalls verstärkt. Umgekehrt ist die Farbsättigung weniger ausgeprägt wenn Sie den Kontrast verringern.
  • Der Schieberegler Mikrokontrast, sofern man ihn nach rechts bewegt, hebt zunächst und betont dann die Texturen und Mikrodetails im Bild.

2- Dunkles Beispielbild

Bildanalyse

Dieses Foto wurde sehr früh am Morgen aufgenommen und die Belichtung gibt den Spitzlichtern Vorrang – insbesondere der Reflektion der Sonne auf dem Ruder des Flugzeugs. Der Himmel entspricht der tatsächlichen Stimmung während der Aufnahme, aber der gesamte untere Bildteil ist so dunkel dass es schwierig ist das Bodenpersonal unten rechts im Bild zu erkennen.

Ziel ist es in diesem Fall den unteren Bildteil aufzuhellen ohne dabei den Rest des Bildes unnatürlich wirken zu lassen und die Atmosphäre beizubehalten.

Um dieses Bild zu korrigieren und hervorzuheben was sich in den dunklen Bildpartien abspielt, folgen Sie den folgenden Schritten.

2.1 – Nehmen Sie Grundkorrekturen vor

Als erstes wenden wir die Autokorrektur DxO Standard an, die uns schon erste Korrekturen abnimmt indem Sie das Bild ausbalanciert ohne dabei übermäßige Korrekturen oder Effekte vorzunehmen. Die automatische Korrektur DxO Standard wird sofort beim Öffnen auf Ihre Fotos angewendet, es sei denn Sie ändern dies in den Voreinstellungen der Software.

Hinweis

Das Originalbild weist einige Unreinheiten und Staubflecken auf, die sich auf dem Sensor angesammelt haben. Die verschiedenen hier vorgenommenen Tonalitätskorrekturen haben selbstverständlich Einfluss auf diese Makel. Bild-« Details » und dabei besonders die Unterdrückung dieser Details können sowohl zu Beginn als auch zum Ende der Bildbearbeitung hin betroffen sein.

2.2 – Hellen Sie die dunklen Bildbereiche auf

Wir beginnen mit dem Aufhellen zu dunkel geratener Bildbereiche. Die helleren Bereiche wie das Ruder des Flugzeugs werden in einem zweiten Arbeitsgang bearbeitet.

Verschieben Sie den Schieberegler Schatten auf einen Wert etwa um +30. So hellen Sie den unteren Bildbereich erheblich auf.

2.3 – Passen Sie die Mitteltone und hellen Bildbereiche an

Dem Ruder, das im Originalbild einen guten und schönen Bildaspekt darstellt, können Sie nun zu Leibe rücken indem Sie gleichzeitig die Schieberegler Spitzlichter und Mitteltöne auf je -35 einstellen. So gewinnen Sie Textur und Details in diesem Bildbereich zurück.

2.4 – Erhöhen Sie globalen und lokalen Kontrast

Eine derartige Bildbearbeitung verursacht manchmal einen Kontrastausgleich: zögern Sie nicht den allgemeinen und den detailbezogenen Bildkontrast zu erhöhen. Nutzen Sie dafür die Schieberegler Kontrast und Mikrokontrast in der Unterpalette Kontrast. In unserem Beispiel verschieben wir sie auf +15 und +30.

Hinweis

Auch wenn jeder Schieberegler für sich selektiv Einfluss auf die verschiedenen Helligkeits- und Kontraststufen des Bildes nimmt, gibt es notgedrungen einen Einfluss, der mehr oder weniger ausgeprägt auf die Zwischen- oder Übergangsstufen einwirkt. So erklärt sich, dass Sie in bestimmten Fällen ein zweites Mal Einstellungen an den Schiebereglern vornehmen müssen um den gewünschten Effekt zu erzielen.

Hier sehen Sie nun das fertige Bild, das wir dank der leistungsstarken Korrekturen von DxO Optics Pro erzielen konnten (inklusive der Korrektur von Staubflecken und Ausrichten des Horizonts).

3- Helles Beispielbild

Bildanalyse

Dieses Bild gibt die gleiche Szene wie im vorangegangen Beispiel wieder, aber die Kamera war nun so eingestellt, dass die dunklen Bildbereiche korrekt belichtet wurden, was eine allgemeine Überbelichtung des Fotos zur Folge hat. Wir werden nun versuchen die Originalatmosphäre wieder herzustellen, obwohl die Hälfte des Bildes nun von minderwertiger Qualität ist.

Vollziehen Sie die folgenden Schritte nach um die ursprüngliche Stimmung der fotografischen Szene wieder herzustellen.

3.1 – Nehmen Sie Grundkorrekturen vor

Wie im Bild zuvor auch lassen wir in einem ersten Schritt zunächst DxO Optics Pro mit seiner Autokorrektur DxO Standard zu Werke gehen. Sie bemerken sofort dass das Bild deutlich ausgewogener wirkt was die Belichtung betrifft, was auf die leistungsstarken Korrekturen Belichtungskorrektur und DxO Smart Lighting zurückzuführen ist.

3.2 – Korrigieren Sie die Mitteltöne

Dieses Mal beginnen wir mit der Korrektur der Mitteltöne um dann anschließend die hellsten und zu guter Letzt die dunklen Bildbereiche zu bearbeiten.

Beginnen Sie mit dem Einstellen des Schiebereglers Mitteltöne auf -70. So werden die Hauptelemente des Fotos – das Flugzeug, der Boden und die Personen – deutlicher hervorgehoben.

3.3 – Verdunkeln Sie die Spitzlichter

Verschieben Sie den Schieberegler Spitzlichter auf -50, geben Sie dem Himmel so seine morgendliche Anmutung zurück und stellen Sie mehr Details im Ruder des Flugzeugs heraus.

3.4 – Erhöhen Sie die Bilddensität

Geben Sie dem Foto mehr Densität durch Verschieben des Reglers Schatten auf -20. Es ist in diesem Fall unnütz die schwarzen Bildbereiche noch weiter zu verdunkeln, da die ohnehin schon dunklen Bildelemente dann komplett beschnitten würden.

3.5 – Erhöhen Sie globalen und lokalen Kontrast

Auch bei diesem Bild können wir zusätzliche Zeichnung mit Hilfe der Schieberegler Kontrast und Mikrokontrast hinzufügen. Daher stellen wir sie auf +15 und +30 ein.

Hinweis

Haben Sie keine Bedenken die Schieberegler zu verwenden! Dank des Belichtungsspielraums und der Tatsache dass Sie alle Korrekturen bei RAW-Dateien auch wieder rückgängig machen können, können Sie sich so einiges leisten bevor es Ihnen gelingt vorhandene Bildinformationen zu löschen.

Mit nur wenigen Klicks ist ein ausgewogenes Bild jederzeit wieder herstellbar.

4- Dunkles und helles Beispielbild

Bildanalyse

Für dieses Beispiel wechseln wir unser Bild und nehmen uns nun ein Landschaftsfoto vor, das bei schlechtem Wetter aufgenommen wurde. Unser Ziel ist es hier, die Präsenz des unterbelichteten Himmels und der grauen Wolken hervorzuheben und gleichzeitig die Landschaft aufzuhellen um so Details herauszuarbeiten. Die besondere Atmosphäre dieser Aufnahme jedoch soll dabei erhalten bleiben.

Eine Möglichkeit bestünde darin, mindestens zwei Fotos für die Verarbeitung zu verwenden – eins, das den Himmel, und ein anderes, das die Berge perfekt ausbelichtet. Diese beiden Bilder würde man dann mit Hilfe einer HDR-Software zusammenfügen. Die leistungsstarken Bearbeitungswerkzeuge in DxO Optics Pro jedoch erzielen ein vergleichbares Ergebnis deutlich schneller und einfacher und ersparen Ihnen die Verwendung eines weiteren Softwareprogramms. Zudem bleiben Sie Ihrem stets reversiblen RAW-Workflow treu.

Folgen Sie den folgenden Schritten um dieses Bild zu korrigieren und einen größtmöglichen Dynamikumfang zu erzielen ohne dabei zu übertriebenen Ergebnissen zu gelangen.

4.1 – Nehmen Sie Grundkorrekturen vor

Wie in den beiden Beispielen zuvor auch übernimmt die automatische Korrektur in DxO einen Teil der Arbeit was den Erhalt von Bilddetails angeht.

4.2 – Reduzieren Sie die Spitzlichter

Wir beginnen unsere Bildbearbeitung mit dem Einstellen des Schiebereglers Spitzlichter auf -70 : Himmel und Wolken sind augenblicklich deutlich detaillierter und präsenter.

4.3 – Hellen Sie die dunklen Bildbereiche auf

Anschließend verwenden Sie den Schieberegler Schatten. Stellen Sie ihn auf +15 ein und schieben Sie dann den Regler Tiefen auf +5 um so zu verhindern dass die dunklen Bildbereiche beschnitten werden.

4.4 – Verbessern Sie Präsenz und Kontrast der Landschaft

Durch Einstellen des Schiebereglers Kontrast auf +40 wirkt das gesamte Bild satter, was dabei hilft die durch das schlechte Wetter geschaffene Bildatmosphäre zu unterstreichen. Das Einstellen des Schiebereglers Mikrokontrast auf +45 bewirkt dass den kleinsten Details mehr Bedeutung beigemessen wird, was ebenfalls die Aussagekraft des Fotos verstärkt.

Die Korrektur dieses Bilds wird alles in allem mit Probeeinstellungen und Horizontkorrektur weniger als 2 Minuten in Anspruch genommen haben. Zum Vergleich: Entscheidet man sich für die Methode des Zusammenrechnens einer Belichtungsreihe, so kommt gut und gerne eine Viertelstunde Zeitaufwand zusammen um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen.

Tipp

Sie können das Bild vor und nach der Korrektur auf zwei Arten vergleichen: Zum einen können Sie sich die beiden Bilder durch Klick auf das Symbol  in der Werkzeugleiste nebeneinander anzeigen lassen. Sollten Sie im Einzelbildmodus arbeiten, klicken Sie auf den Button Vergleichen .

5- Noch einen Schritt weiter gehen: Die HDR Schieberegler

Möchten Sie noch einen Schritt weiter gehen und zudem schneller sein, können Sie die vier HDR Schieberegler verwenden, die DxO Optics Pro bietet. Dazu wählen Sie im Preset-Fenster zwischen HDR – Leicht, HDR – Realistisch, HDR – künstlerisch oder HDR – Schwarz-Weiß, die alle in Abschnitt 4 – High Dynamic Range (HDR Einzelbild) zu finden sind.

Wenn Sie sich gut auskennen können Sie jederzeit Ihre eigenen automatischen Korrektureinstellungen speichern.

Tipp

Erstellen Sie virtuelle Kopien wenn Sie mehrere Einstellungen und Korrekturen ausprobieren möchten.

Fotos : Gilles Theophile, Arnaud Pincemin