DxO PhotoLab

Vignettierungskorrektur mit DxO OpticsPro 9

In Zusammenarbeit mit Gilles Theophile

Die Vignettierung betrifft alle Objektive in unterschiedlicher Stärke, unabhängig von ihrer Qualität. Sie zeigt sich über eine Verdunklung des Bildrands und der Bildecken. In diesem Tutorial erfahren Sie was Vignettierung ist, wie sie sich äußert und wie man sie automatisch bzw. manuell korrigiert, je nachdem ob die von Ihnen verwendete Kamera-Objektiv-Kombination von den optischen DxO-Modulen unterstützt wird. Wie werden zudem sehen wie sich Vignettierung später wieder als kreativer Effekt gezielt einsetzen lässt.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen benötigen Sie:

  • DxO Optics Pro 9
  • Ein Bild im RAW-Format

1- Grundsätzliches zur Vignettierung

Vignettierung

Vignettierung äußert sich in einer Verdunklung der Bildränder und hängt von diversen Faktoren ab, z.B. von der eigentlichen Qualität des Objektivs sowie verwendeter Brennweite und Blende.

Der Verlust von Helligkeit erfolgt progressiv von der Mitte zum Objektivrand hin und kann entsprechend zunehmen: Unterhalb von 0,3 LW (oder einer Blende von 1/3) ist sie kaum zu bemerken, oberhalb dieses Werts ist sie erkennbar und jenseits von 1 LW (Blende 1) wirkt sie extrem störend.

Objektive mit kurzer Brennweite – Weitwinkel, Ultraweitwinkel – und Zoom- oder Teleobjektive tendieren zu stärkerer Vignettierung als mittlere Brennweiten. Das Phänomen verstärkt sich dann noch durch die Verwendung weiter Blendenöffnungen.

Besonders bei einfarbigen Hintergründen, wie einem blauen Himmel, ist die Vignettierung deutlich zu erkennen.

Andere Arten von Vignettierung

Die Abdunkelung der Bildränder kann auch andere Ursachen haben, die nicht direkt mit der Qualität des Objektivs oder der eingestellten Blende verbunden sind. Eine schlecht angebrachte Gegenlichtblende kann im Bild auftauchen und besonders bei Weitwinkelobjektiven, die über ein weites Sichtfeld verfügen, führt dies im besten Fall dazu dass der Fotograf das Bild in der Nachbearbeitung nicht unwesentlich beschneiden muss.

Die Verwendung eines unpassenden Objektivs ruft ebenfalls eine Verdunklung hervor. Dies gilt besonders dann wenn es mit einem großen Sensor verwendet wird, wenn es eigentlich für die Verwendung von Spiegelreflexkameras mit kleinem Sensor konstruiert wurde. Vignettierung kann allerdings auch als Effekt freiwillig gewählt und durchaus gewollt sein.

Dann wird sie dem Bild mit Hilfe spezieller Werkzeuge in einer Bildbearbeitungssoftware hinzugefügt.

Beispiel für Vignettierung aus mechanischen Gründen: Hier legt sich eine schlecht angebrachte Sonnenblende über das Objektiv und verdeckt so die untere linke und obere rechte Bildecke. Diese Form der „Vignettierung“ kann nur durch extremen Bildbeschnitt korrigiert werden.

Vignettierung vermeiden

Möchten Sie Vignettierung vermeiden, nehmen Sie keine Bilder bei großer Blendenöffnung auf, ganz besonders wenn es sich um Objekte vor einfarbigen oder hellen Hintergründen oder gar vor Himmel handelt.

Arbeiten Sie im Programm-Modus, überprüfen Sie dass Ihre Kamera keine zu großen Blendenöffnungswerte auswählt. Beobachten Sie das Zusammenspiel von Belichtungszeit/Blende damit beide Werte an das Objekt angepasst werden können: Machen Sie ein Foto vor blauem Himmel und Ihre Kamera schlägt z.B. eine Belichtungszeit von 1/4000 Sek bei einer Blendenöffnung von f/2,8 vor, dann ist die Chance groß dass diese Werte für das fotografierte Objekt ungeeignet sind und die große Öffnung nicht nur eine Vignettierung erzeugt, sondern auch eine geringe Schärfentiefe nach sich zieht. In einem solchen Fall sollten Sie über die Aufnahmeparameter nachdenken: In unserem Beispiel schließen Sie die Blende auf f/8 und ändern Sie die Belichtungszeit auf 1/250 Sek. Bei einer Blende von f/8 riskieren Sie keine Vignettierung.

So vermeiden Sie Vignettierung aus «mechanischen» Gründen:

  • Überprüfen Sie ob Sie die richtige Sonnenblende für Ihr Objektiv verwenden.
  • Prüfen Sie ob sie korrekt angebracht und eingerastet ist (ein leichter Unterschied sollte im Bild sichtbar sein).
  • Falls Sie Filter verwenden, stellen Sie sicher dass nicht zu dicke Metalleinfassungen haben – ganz besonders bei Weitwinkelobjektiven.
  • Vermeiden Sie die Verwendung mehrerer Filter gleichzeitig.

Vignettierungskorrektur

Glücklicherweise lässt sich die Vignettierung aus optischen Gründen sehr leicht mit einer Software wie DxO Optics Pro korrigieren. Die Korrektur kann sogar automatisch erfolgen wenn es für Ihre Kamera-Objektiv-Kombination ein optisches Modul gibt. Falls nicht, ist eine manuelle Korrektur erforderlich.

2- Automatische Vignettierungskorrektur

Vignettierungskorrektur mit DxO Optics Pro

Wird Ihre verwendete Kamera-Objektiv-Kombination von DxO Optics Pro unterstützt, erfolgt die Vignettierungskorrektur automatisch sobald die Bilder geöffnet werden. Dies geschieht in einem Atemzug mit den anderen optischen Standardkorrekturen wie Verzeichnung, chromatische Aberration und fehlende Homogenität von Objektivschärfe.

Automatische Vignettierungskorrektur

Ihnen stehen mehrere Möglichkeiten zur Überprüfung der erfolgten Korrektur zur Verfügung:

  • Visuell, indem Sie das Bild mit Hilfe des Buttons Vergleichen in der oberen Werkzeugleiste vor und nach der Korrektur betrachten.
  • Durch Prüfung ob die Unterpalette Vignettierung in der Palette Optische Korrekturen aktiviert ist und „aus optischem DxO Optics Modul“ anzeigt.

Die Unterpalette Vignettierung in der Palette Optische Korrekturen.

Hinweis

Möchten Sie die automatische Korrektur ändern und vielleicht aus ästhetischen Gründen ein wenig Vignettierung erhalten, können Sie die vorhandenen Schieberegler der Unterpalette Vignettierung verwenden.

Hinweis

Die automatische Korrektur kann ausschließlich optische Vignettierung korrigieren und nicht etwa die aus mechanischen Gründen erfolgte Vignettierung (z.B. durch einen schlecht angebrachten Filter).

Die automatische Vignettierungskorrektur in DxO Optics Pro geht allerdings weit über die einfache Kompensation von dunklen Randbereichen im Bild hinaus:

  • Es erfolgt zudem Belichtungskorrektur sofern die Vignettierungskorrektur eine Überbelichtung der Randbereiche zur Folge hat.
  • Ein Absaufen der Farben wird vermieden.
  • Stärkerem Bildrauschen durch Aufhellung der dunklen Bildbereiche wird entgegengewirkt.

Die automatische Vignettierungskorrektur von DxO berücksichtigt mehrere Faktoren in einem Bild, wie das Risiko der Überbelichtung, das Absaufen von Farben sowie – wie in unserem Fall – das erhöhte Bildrauschen, das durch Aufhellung der dunklen Bildbereiche entstehen würde.

Vignettierungskorrektur durch die Kamera

Kameras sind mehr und mehr in der Lage, optische Fehler direkt zu korrigieren, sowohl in RAW- als auch in JPEG-Dateien.

Bei RAW-Dateien berücksichtigt DxO Optics Pro die Eigenkorrekturen der Kamera nicht und ignoriert auch die sogenannte „stille“ Korrektur, d.h. die optische Korrektur, die von der Kamera in die Metadaten des Bildes geschriebenen und dann ausgelesen wird.

Bei JPEG-Dateien empfehlen wir Ihnen, sofern Sie von der Qualität der DxO-Korrekturen profitieren möchten, die optische Korrektur Ihrer Kamera zu deaktivieren um so den unangenehmen Effekt der doppelten Korrektur (zunächst in der Kamera und dann in DxO Optics Pro) zu vermeiden.

3- Manuelle Vignettierungskorrektur

Wird die von Ihnen verwendete Kamera-Objektiv-Kombination nicht durch ein optisches Modul von DxO unterstützt, können Sie die Korrektur manuell vornehmen:

  • Gehen Sie dafür in das Register Bearbeiten > Palette Optische Korrekturen > Unterpalette Vignettierung.
  • Die Unterpalette gibt Korrektur: manuell an.
  • Verschieben Sie den Schieberegler Stärke (standardmäßig auf 0 eingestellt) nach rechts bis die dunklen Bildränder verschwinden.
  • Ändern Sie, falls notwendig, den Radius der Korrektur mit dem Schieberegler Mittenbetonung.

Manuelle Vignettierungskorrektur eines Bilds, das nicht von einem optischen DxO-Modul unterstützt wird.

Die Unterpalette Vignettierung im manuellen Korrekturmodus.

Achten Sie auch darauf dass Sie die Korrektur nicht übertreiben, da Sie so das Gegenteil erreichen, nämlich eine Aufhellung der Bildränder und –ecken.

Übertriebene Vignettierungskorrektur, die sich durch zu starke Aufhellung der Bildränder äußert.

4- Anwendung von Vignettierungs-Effekten (DxO FilmPack )

Ist DxO FilmPack auf Ihrem Rechner installiert, erscheinen alle FilmPack-Werkzeuge automatisch in einer Palette im Register Bearbeiten in DxO Optics Pro.

Sie können dann mit den folgenden Werkzeugen kreative Vignettierungseffekte erstellen, z.B. um Ihren Bildern eine Vintage-Anmutung zu geben oder einem Objekt mehr Bedeutung zukommen zu lassen und den Blick des Betrachters gezielt zu lenken. Diesen Effekt können Sie auch mit verschiedenen Filtern kombinieren, die alten Analogfilmen nachempfunden sind oder von Designern entworfen wurden:

  • Kreative Vignettierung: Vignettierungseffekt, der dezentral in gewünschter Stärke, Position und mit Wahl des Übergangs zwischen Vignettierung und dem Rest des Bildes gezielt eingesetzt werden kann. Auch die Form des Effekts kann als mehr oder weniger kreisförmig eingestellt werden.
  • Kreative Weichzeichnen-Vignettierung: eine Variation des obigen Filters, der auf dieselben Werkzeuge zurückgreift, aber Ihrem Bild einen Weichzeichnungseffekt hinzufügt.

Das folgende Bild, dessen Original eine RAW-Datei einer Canon 5D MkIII ist, wurde wie folgt mit DxO Optics Pro und DxO FilmPack bearbeitet:

  • 1. Korrektur über die Autokorrektur Standard
  • 2. Geraderichten des Horizonts
  • 3. Konvertierung in Schwarz-Weiß, Film Kodak T-Max 3200
  • 4. Selentonung
  • 5. Körnungsstärke auf 150 erhöht
  • 6. Kreative Vignettierung (Stärke -60, zentriert)
  • 7. Kreative Weichzeichnungs-Vignettierung (Stärke 17, dezentral, nach unten verschoben).
  • 8. Textureffekt (Geknittertes Papier)

Ein mit DxO FilmPack erstellter künstlerischer Vignettierungs-Effekt

Originalbild

Fotos : Gilles Theophile, Olivier Lambolez