DxO PhotoLab

Entwicklung von Porträtfotos mit der DxO Photo Suite (Teil 1)

In Zusammenarbeit mit Gilles Théophile

Lernen Sie wie Sie Ihre Porträts mit Hilfe der in DxO OpticsPro und DxO FilmPack zur Verfügung stehenden Werkzeuge aufwerten. Dieser erste Teil des Tutorials widmet sich den grundlegenden Korrekturen, vornehmlich in DxO OpticsPro.

Hier finden Sie den zweiten Teil des Tutorials, der, besonders durch die Integration von DxO FilmPack in Ihren DxO OpticsPro Workflow, einen kreativeren Zugang wählt, damit Sie den idealen Look für Ihre Porträts erzielen.

Hinweis

Die Korrekturwerkzeuge in DxO ViewPoint werden in diesem Tutorial nicht behandelt, aber im Tutorial Volumendeformation mit DxO ViewPoint korrigieren finden Sie zahlreiche nützliche Tipps dazu.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie:

  • DxO OpticsPro Essential oder Elite Edition
  • Ein Bild im RAW-Format

1- Ein paar Ratschläge für die Aufnahme

Porträtfotografie erfordert schon vor Beginn der Aufnahme Gründlichkeit, was zudem den Vorteil hat, dass sich der Zeitaufwand bei der Bildbearbeitung reduziert. Hier ein paar Ratschläge:

  • Denken Sie daran, das Model herzurichten (Makeup, Frisur, Puder, Kleidung).
  • Fotografieren Sie nicht bei praller Sonne sondern lieber im Schatten.
  • Verwenden Sie einen Reflektor um die Schatten aufzuhellen und den Kontrast zu verringern.
  • Nehmen Sie die Belichtungsmessung im Gesicht vor.
  • Setzen Sie den Schärfepunkt auf die Augen.
  • Ist Ihnen das Model zu ¾ zugewandt, setzen Sie den Schärfepunkt auf das Ihnen zugewandte Auge.
  • Verwenden Sie ein leichtes Teleobjektiv (die ideale Brennweite liegt in der Größenordnung 85 bis 135 mm)..
  • Meiden Sie kurze Brennweiten (Verzeichnung und zu hohe Schärfentiefe) und lange Brennweiten (Komprimierung von Vorder- und Hintergrund).
  • Geben Sie großen Blendenöffnungen den Vorzug um einen unscharfen Hintergrund zu erzielen.
  • Achten Sie auf Belichtungszeit und Bewegungsunschärfe wenn Sie im Schatten fotografieren.
  • Meiden Sie zu hohe ISO-Werte, da sie in den Schatten und Hauttönen zu ausgeprägtem Bildrauschen führen können.
  • Arbeiten Sie im RAW-Format, damit Sie sich alle Möglichkeiten in der anschließenden Bildbearbeitung offen halten.
  • Stellen Sie den Weißpunkt auf Automatik oder nehmen Sie den Weißabgleich selbst vor (denken Sie in dem Fall daran ein Bild des Models samt Graukarte zu machen).

2- Grundlegende Korrekturen

Öffnen des Bildes

Bei Öffnen des Bildes in DxO OpticsPro wird automatisch das Preset „DxO Standard“ auf das Foto angewendet. Dieses Preset ist eine Kombination verschiedener grundlegender Korrekturen, die sich auf Belichtung, Kontrast, Farben, Bildrauschen und Schärfe auswirken.

Hinweis

Im zweiten Teil dieses Tutorials kommen wir auf die Presets und Bildoptimierungen für Porträts zurück.

Wird Ihre Kamera-/Objektivkombination durch ein optisches DxO-Modul unterstützt, werden auch optische Fehler wie Vignettierung, Verzeichnung und chromatische Aberration korrigiert. Auch die Schärfe wird automatisch optimiert, bei Porträts sollte man diese Korrektur allerdings ein wenig abschwächen.

Die grundlegenden Korrekturen passieren in folgender Reihenfolge:

  • Weißpunkt
  • Tonwerte (Belichtung und Kontrast)
  • Farbe (Vibrancy)

Tipp

Legen Sie ruhig virtuelle Kopien an, um verschiedene Arbeitsversionen Ihrer Porträts zu erstellen. Wie Sie virtuelle Kopien in Ihrem Workflow mit DxO OpticsPro anlegen, verwalten und nutzen zeigt Ihnen unser entsprechendes Tutorial.

Weißabgleich

Standardmäßig übernimmt DxO OpticsPro den Weißpunkt Ihrer Kamera. Wenn Sie im RAW-Format arbeiten, können Sie ihn später leicht mit einer Graukarte ändern, die Sie in die fotografische Szenerie platzieren. Dabei ist es egal, welcher Kameramodus gewählt ist und auch ob Sie einen benutzerdefinierten Weißpunkt gewählt haben.

Wurden die Fotos im Schatten aufgenommen, ist es wahrscheinlich, dass sie einen Blaustich haben, den es zu korrigieren gilt:

  • Klicken Sie in der oberen Werkzeugleiste des Registers Bearbeiten auf die Pipette in der Unterpalette Weißabgleich  .
  • Klicken Sie mit der Pipette auf ein neutrales Bildelement: entweder auf die gegebenenfalls verwendete Graukarte, , oder auf ein beliebiges anderes neutrales, also graues oder weißes Element, das nicht zu hell sein sollte (meiden Sie Spitzlichter).
  • Der Blaustich der Schatten wird neutralisiert und die Farben wirken wieder wärmer.
  • In der Unterpalette Weißabgleich können Sie auch mit den Schiebereglern Farbtemperatur und Farbton Feinabstimmungen vornehmen.
  • Wenn Ihnen das Ergebnis zusagt, klicken Sie auf Schließen rechts unterhalb des Bildes.

Bild vor / nach erfolgtem Weißabgleich

Hier wurde der Weißabgleich durch einen Klick mit der Pipette auf einen neutralen Bildbereich vorgenommen, in diesem Fall auf den grauen Fensterladen im Hintergrund. Die Blaudominanz wurde neutralisiert und das Gesamtbild sowie die Hauttöne wirken nun wärmer.

Tipp

Für zusätzliche Präzision bei der Verwendung der Pipette können Sie auf 1:1 zoomen und den anzuvisierenden Bildbereich mit dem Schieberegler unterhalb des Fotos auswählen. Das Ergebnis können Sie prüfen, indem Sie das Bild vor/nach der Korrektur durch vorübergehende Deaktivierung der Unterpalette Weißpunkt vergleichen.

Tonwerte

Die Tonwertkorrektur umfasst Belichtung und Kontrast, also die Diskrepanz zwischen den dunkelsten und hellsten Tönen im Bild.

DxO OpticsPro wendet standardmäßig DxO Smart Lighting im Modus „Leicht“ an. Selbstverständlich können Sie die Korrekturstärke über die Unterpalette DxO Smart Lighting anpassen, entweder durch Änderung des Modus (Mittel, Stark) oder durch manuelle Anpassung des Schiebereglers Stärke.

Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verwendung der Schieberegler in der Unterpalette Selektive Tonwerte, mit denen man separat die gesamte Tonwertpalette sowie Spitzlichter und Schatten bearbeiten kann.

Selbstverständlich hängen die Einstellungen voll und ganz vom Stil des Bildes und dem gewünschten Effekt ab. Denken Sie in jedem Fall daran, das Histogramm im Auge zu behalten, damit Sie keine Schatten oder Spitzlichter beschneiden.

Im folgenden Beispiel hat DxO Smart Lighting ganze Arbeit bei der Wiederherstellung von Details in den dunklen Bereichen des Gesichts und des Hintergrunds geleistet, während die Details in den hellen Bildbereichen erhalten blieben:

Automatische Tonwertkorrektur. DxO Smart Lighting (Modus Leicht)

Obwohl sie technisch makellos ist, wird diese Tonwertkorrektur allerdings nicht der klaren/dunklen Lichtsituation des Originalbilds gerecht. Stellt man manuell den Schieberegler Stärke nach, lässt sich ein guter Kompromiss finden:

Tipp

Möchten Sie die Warnung vor beschnittenen Bildbereichen anschalten, gehen Sie in die Palette Histogramm und klicken Sie auf Beschnittene Tiefen  und Beschnittene Lichter  .

Farbe

DxO OpticsPro und DxO FilmPack geben Ihnen zahlreiche Werkzeuge an die Hand, mit denen Sie den Look Ihrer Porträts anpassen können. Diesem kreativen Ansatz widmet sich der zweite Teil des Tutorials.

Was die grundlegende Farbkorrektur angeht, stehen Ihnen die Schieberegler Sättigung und Vibrancy zur Verfügung, die sich in der Palette Farb-Akzentuierung befinden.

Mit dem Schieberegler Sättigung können Farben linear verstärkt werden, daher riskiert man ab einem bestimmten Punkt die Hauttöne zu überzeichnen. Deshalb geben Sie dem Schieberegler Vibrancy den Vorzug, dessen Algorithmen die Hauttöne besser bewahren. Wenn Sie sich bewusst für eine entsättigte Farbwiedergabe entscheiden, können Sie die Farbintensität auch reduzieren, indem Sie diese Schieberegler auf negative Werte einstellen (auch dies wird detailliert im zweiten Teil dieses Tutorials behandelt).

Nachfolgend sehen Sie von links nach rechts das Bild nach Öffnen in DxO OpticsPro, das mit Hilfe des Schiebereglers Sättigungkorrigierte Bild und schließlich das mittels des Schiebereglers Vibrancy korrigierte Bild.

Wie Sie sehen, vermeidet die wohldosierte Verwendung des Schiebereglers Vibrancy die im mittleren Bild auftretenden Problembereiche (Haut und Haare sind übertrieben orange).

3- Korrektur von Hautunreinheiten

Anti-Staub Werkzeug

Manchmal gibt es kleine Hautunreinheiten, die man mit dem Anti-Staub Werkzeug in DxO OpticsPro korrigieren kann. Gehen Sie dafür wie folgt vor:

  • Klicken Sie in der oberen Werkzeugleiste auf das Anti-Staub Werkzeug  .
  • Wechseln Sie in den Anzeigemodus 1:1 (100%)  .
  • Über die Werkzeugliste unterhalb des Bildes können Sie den Werkzeugdurchmesser bestimmen  .
  • Klicken Sie auf Masken anzeigen um die Anzeige der Korrekturen zu erleichtern (Maske in Cyan: aktive Korrektur; rosafarbene Maske: vorherige Korrekturen).
  • Setzen Sie den Pinsel auf das Element, das Sie ausradieren möchten (Pickel, Schönheitsfleck, Bartstoppel etc.), klicken Sie und fahren dann wie folgt fort.
  • Ist der Makel nicht rund (Falten, Narben etc.), können Sie das Werkzeug wie einen Pinsel verwenden.
  • Denken Sie daran, hin und wieder die Anzeige der Masken zu deaktivieren um das Resultat begutachten zu können.
  • Möchten Sie eine Korrektur rückgängig machen, klicken Sie auf die Maske um sie zu aktivieren und anschließend verwenden Sie Ihr Tastaturkürzel zum Zurücksetzen.
  • Wenn Sie fertig sind, klicken Sie unten rechts auf Schließen.

Korrektur kleiner Hautunreinheiten mit dem Anti-Staub Werkzeug

Bild vor / nach der Korrektur von Makeln

Tipp

Möchten Sie kleine, weniger vorteilhafte Details abschwächen, können Sie auch den Schieberegler Mikrokontrast(Unterpalette zu Kontrast) auf einen negativen Wert setzen. So werden Bilddetails verwischt (für weitere Informationen diesbezüglich lesen Sie den zweiten Teil des Tutorials).

Ratschlag

Das Anti-Staub Werkzeug wurde entwickelt um Sensorflecken der Kamera zu bereinigen und ist daher nicht wirklich ein Werkzeug zur Beauty-Retusche. Vielmehr dient es der Schadensbegrenzung. Möchten Sie ernsthafte Beauty-Retusche vornehmen, raten wir Ihnen, ein darauf spezialisiertes Programm wie z.B. Adobe Photoshop zu verwenden.

4- Schärfe

Optimierung der Objektivschärfe

Wird Ihr Kameraequipment von einem optischen DxO-Modul unterstützt, so optimiert es die Bildschärfe und lässt das Bild knackiger wirken, was für Porträts nicht notwendigerweise ideal ist, besonders wenn Sie kleine Hautmakel verstecken möchten. Für Charakterporträts hingegen ist es perfekt geeignet.

In beiden Fällen können Sie die Schärfe mit den Schiebereglern der Unterpalette DxO Lens Softness verstärken oder abschwächen:

  • Allgemein: wirkt sich auf die globale Bildschärfe aus
  • Details: verstärkt oder mildert die feinen Bilddetails ab
  • Bokeh: mindert die Artefakte der Schärfeakzentuierung im verschwommenen Hintergrund ab

Möchten Sie die Schärfe verstärken, arbeiten Sie mit einem Zoom von 1:1, damit Sie die Korrektureffekte besser wahrnehmen. Sie können sich auch das Vorher-/Nachher-Bild über den Button Dualbildmodus  oder über den Button Vergleichen anzeigen lassen.

Globale Akzentuierung der Schärfe und Details

Tipp

Die Effekte des Bokeh-Schiebereglers sind sehr subtil (und quasi unmöglich in einem Foto zu reproduzieren, das wie hier im Internet veröffentlicht ist). Zoomen Sie ruhig stark ins Bild hinein und nehmen Sie die Bilddetails genau unter die Lupe. Möchten Sie mehr darüber erfahren wie dieser Schieberegler funktioniert, lesen Sie hier unser Tutorial über die Optimierung von Schärfe.

Hinweis

Wenn Ihr Kameraequipment nicht von einem optischen DxO-Modul unterstützt wird, können Sie die Werkzeuge der Unterpalette Unscharfmaskierung manuell verwenden. In diesem Fall gilt dieselbe Regel: möchten Sie ein Porträt schärfen, gehen Sie behutsam vor!

5- Bildzuschnitt

Das Bild vorher oder nachher beschneiden?

Sollte man den Bildzuschnitt vor oder nach den Korrekturen vornehmen? Das hängt von Ihnen ab! Der Beschnitt ist wie übrigens alle anderen Werkzeuge in DxO OpticsPro reversibel. Wenn Sie lieber mit einem Bild arbeiten, das dem Endergebnis nahekommt und wenn Sie nicht von bestimmten inkongruenten Elementen abgelenkt werden möchten, die Sie ohnehin korrigieren würden, nehmen Sie den Bildzuschnitt zu Beginn vor. Wenn Sie lieber zunächst korrigieren und später über die Wahl Ihres Bildbeschnitts nachdenken, schneiden Sie es nachher zu.

Hinweis

Möchten Sie die Werkzeuge ausprobieren, die im zweiten Teil dieses Tutorials vorgestellt werden und dabei besonders mit Vignetten und dezentrierter Weichzeichnungs-Vignettierung spielen, ist es vielleicht passender, diesen Schritt in Ihrem Workflow zunächst abzuwarten bevor Sie über den Bildbeschnitt entscheiden.

Muss man die Regeln des Bildaufbaus beachten?

Auch wenn es wichtig ist, die grundlegenden Dinge zu kennen, die in der Malerei, dann in der Fotografie und später auch im Film etabliert wurden, so erlaubt Ihnen das digitale Zeitalter dennoch alle Freiheiten. Es liegt an Ihnen zu beurteilen, wie Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Für oder gegen die Einhaltung des goldenen Schnitts?

Palette Zuschneiden

Möchten Sie Ihr Porträt zuschneiden, folgen Sie den folgenden Schritten:

  • Zeigen Sie das Bild im Modus Zoom auf ganzes Bild durch einen Klick auf den entsprechenden Button  in der oberen Werkzeugleiste an.
  • Klicken Sie nun in der oberen Werkzeugleiste auf den Button Zuschneiden  .
  • Ein in Drittel eingeteiltes Gitter legt sich auf das Bild (falls nicht, setzen Sie einen Haken neben Gitter anzeigen in der unteren Werkzeugleiste).
  • Standardmäßig wird das Originalseitenverhältnis (Verhältnis von Höhe/Breite) des Bildes beibehalten.
  • Passen Sie das Gitter an, indem Sie es an den Ecken fassen.
  • Platzieren Sie es je nach Bilderfordernis, um den Bildaufbau zu verfeinern.
  • Wenn Sie das Originalseitenverhältnis nicht beibehalten möchten, wählen Sie Unbeschränkt im Dropdownmenü Seitenverhältnis unter dem Bild aus.
  • Passen Sie die Seiten oder Ecken unabhängig voneinander an und platzieren Sie das Gitter nach Ihren Wünschen auf dem Bild.
  • Wenn Sie den Zuschnitt beendet haben, klicken Sie auf Schließen.

Zuschnitt im Format 5:4

Fazit

In diesem ersten Teil des Tutorials zur Porträtfotografie haben wir uns mit den grundlegenden Korrekturen beschäftigt, mit denen Sie ihre Fotos optimieren bevor Sie sich dem kreativen Zugang der Nachbearbeitung widmen.

Im zweiten Teil lernen Sie wie Sie weitere Schritte mit den Werkzeugen von DxO OpticsPro und DxO FilmPack machen, wobei letzteres im Plug-in Modus verwendet wird.

In der Fortsetzung des Tutorials werden behandelt:

  • Die Porträt-Presets
  • Der Stil DxO Porträt
  • Negativer Mikrokontrast im Vergleich zum Softfocus
  • Kreative Vignette im Vergleich zur Weichzeichnungs-Vignettierung
  • Schwarz-Weiß Porträts
  • Erstellung eines Hochkontrast-Porträts

Fotos: Julien Cinquin