DxO FilmPack – DxO PhotoLab – DxO ViewPoint

Entwicklung von Porträtfotos mit der DxO Photo Suite (Teil 2)

In Zusammenarbeit mit Gilles Théophile

Nach einer ersten Phase im Workflow (hier beschrieben), in der Sie die grundlegenden Korrekturen vorgenommen haben, das Preset DxO Standard sowie das optische DxO-Modul angewendet, Tonwerte, Farben und Schärfe angepasst sowie kleinere Hautmakel entfernt wurden, ist nun der Moment gekommen, sich den ästhetischen Aspekten zu widmen und die Bilder mit den kreativen Werkzeugen in DxO OpticsPro und DxO FilmPack weiter zu bearbeiten.

Wir werden uns ansehen wie man Bilder mit den Porträt-Presets optimiert und ihnen einen bestimmten Stil verleiht. Dieses Tutorial hat unter anderem das Ziel, Ihnen künstlerische Aspekte vorzustellen, die sich Ihnen mit der DxO Photo Suite eröffnen.

 

Hinweis

Die Korrekturwerkzeuge in DxO ViewPoint werden in diesem Tutorial nicht behandelt, aber im Tutorial Volumendeformation mit DxO ViewPoint korrigieren finden Sie zahlreiche nützliche Tipps dazu.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie:

  • DxO OpticsPro Essential oder Elite Edition
  • DxO FilmPack, Elite Edition (als Plug-in für DxO OpticsPro)
  • Ein Bild im RAW-Format

1- Die Porträt-Presets

Wenn Sie nicht genau wissen wo Sie beginnen sollen, warum probieren Sie nicht eins der Porträt-Presets in DxO OpticsPro aus? Die Software bietet vier Presets, die perfekt als Arbeitsgrundlage geeignet sind, darunter Porträt – Standard, recht neutral und wenig kontrastreich, sowie weitere, stärker typisierte Presets wie Porträt – Candy, hell oder High-key.

Gehen Sie wie folgt vor:

  • Nehmen Sie die grundlegenden Korrekturen vor (lesen Sie dazu den ersten Teil dieses Tutorials).
  • Klicken Sie in DxO OpticsPro oben rechts auf Preset anwenden.
  • Öffnen Sie im Presetfenster den Bereich Porträt und Landschaft.
  • Klicken Sie auf eine der Voransichten um das gewünschte Preset anzuwenden.
  • Nehmen Sie dann nach Belieben weitere Korrekturen vor.
  • Speichern Sie Ihre Änderungen als benutzerdefiniertes Preset (weitere Informationen dazu in unserem entsprechenden Tutorial).

Die Porträt-Presets in DxO OpticsPro

2- Die Wiedergabe DxO Porträt

Bei der Wiedergabe DxO Porträt handelt es sich nicht um ein Preset, sondern um eine Bildwiedergabe, die Hauttöne natürlicher, neutraler und weniger kontrastreich darstellt.

Nehmen Sie zunächst die grundlegenden Korrekturen vor (darunter auch den Weißabgleich), aber lassen Sie die Farben unangetastet und ändern Sie sie nicht wie etwa über die Schieberegler Vibrancy oder Sättigung, bevor Sie die Bildwiedergabe auf Ihre Bilder anwenden.

Zur Anwendung von DxO Porträt gehen Sie wie folgt vor :

  • Rufen Sie die Palette Farbe auf.
  • Wählen Sie in der Palette Farbwiedergabe den Unterpunkt Allgemeingültige Wiedergabe im Menüpunkt Kategorie.
  • Wählen Sie direkt darunter im Menüpunkt Wiedergabe DxO Porträt aus.

Die Wiedergabe DxO Porträt mildert den Kontrast und sorgt bei den Hauttönen durch einen neutraleren und natürlicheren Look für Ausgewogenheit.

3- Mikrokontrast oder Soft Fokus?

Eine gängige Technik zum Weichzeichnen von Porträts liegt in der Reduktion des Mikrokontrasts, was den Effekt erzielt, dass kleine Details abgemildert und so Hautunreinheiten maskiert werden. Dafür stehen Ihnen die Schieberegler Mikrokontrast und Feinkontrast zur Verfügung, die Sie auch einsetzen können wenn Sie besonders kontrastreiche Porträts erstellen möchten (siehe dazu Kapitel 6).

Das Werkzeug Soft Fokus aus DxO FilmPack verfährt radikaler, denn es legt einen ästhetischen Weichzeichnungseffekt auf das gesamte Bild.

Effekt und Einsatz dieser beiden Werkzeuge sind komplett unterschiedlich, wie wir im weiteren Verlauf dieses Tutorials sehen werden.

Hinweis

Das Werkzeug Soft Fokus ist Teil der Elite-Edition von DxO FilmPack und ist auch über DxO OpticsPro zugänglich, sofern beide Programme installiert sind.

Originalporträt, auf 100% vergrößert, Wiedergabe DxO Porträt

Mikrokontrast

Der Schieberegler Mikrokontrast in der Unterpalette Kontrast ermöglicht das Herausarbeiten kleiner Details und kann, sofern die Werte negativ werden, diese auch abmildern, was den Gesamteindruck des Porträts weicher erscheinen lässt.

Man verwendet ihn in den folgenden Fällen:

  • Schwach dosiert für Porträts im Firmenbereich, z.B. für eine Webseite.
  • Stärker dosiert für die Erstellung ästhetischer Porträts.

Porträt, bereinigt und weichgezeichnet mit Hilfe des Schiebereglers Mikrokontrast, eingestellt auf negative Werte

Wenn die Elite Edition von DxO FilmPack installiert ist, können Sie auch den Schieberegler Feinkontrast einsetzen, der sich auf die weniger feinen Bilddetails auswirkt.

Porträt, bereinigt und weicher gezeichnet mit Hilfe des Schiebereglers Feinkontrast, eingestellt auf negative Werte

Der Glättungseffekt auf dem obigen Bild ist weniger markant und driftet dabei nicht so sehr in den Stil einer „Wachspuppe“ ab.

Hinweis

Das Weichzeichnen der Haut mit den hier genannten Werkzeugen kann eine Beautyretusche nicht ersetzen, die normalerweise über spezielle Werkzeuge in Programmen wie Adobe Photoshop vorgenommen wird.

Soft Fokus

Das Werkzeug Soft Fokus in der Palette DxO FilmPack, Unterpalette Unscharf, hat einen völlig anderen Effekt: es überzieht das Bild mit einem mehr oder weniger markanten Unschärfeschleier, der an die Techniken der Analogfotografie erinnert, wie es etwa Dampf oder Vaseline auf der vorderen Linse oder auch ein Nylonstrumpf über dem Objektiv erzielen.

Der Schieberegler Intensität ermöglicht die Bestimmung des Unschärfegrades, während der Schieberegler Streuung den Diffusionseffekt der kleinen Bilddetails reduziert oder verstärkt.

Porträt vor und nach der Weichzeichnung mit Soft Fokus

4- Kreative Vignette und Weichzeichnen-Vignettierung

Diese beiden Werkzeuge fügen dem Bild einen Effekt am Randbereich hinzu, der das Augenmerk auf das Subjekt lenkt. Sie sind in der Elite Edition von DxO FilmPack enthalten und Sie finden sie daher auch in der Palette FilmPack von DxO OpticsPro.

Kreative Vignettierung

Die kreative Vignettierung kann den Bildumriss abdunkeln oder aufhellen und es ist möglich, die jeweilige Effektmitte zu bestimmen. Dennoch ist der Effekt der Vignette eine Reminiszenz an Objektivfehler und daher ist eine leichte Dezentrierung desselben besser über die Weichzeichnungs-Vignettierung abzubilden (s. folgender Abschnitt).

Die verschiedenen Schieberegler sind:

  • Intensität: Legen Sie den Effekt der Vignette fest, dunkel nach links und heller nach rechts.
  • Zentrum: Ermöglicht die Bestimmung der Effektgröße zwischen Bildmitte und den Rändern
  • Übergang: Legt die Härte oder Weichheit des Übergangs zwischen Effekt und dem Rest des Bildes fest.
  • Rundung: Bestimmt die Form des Effekts (rechteckig nach links, rund nach rechts).

Der Button Zentrum festlegen platziert eine Markierung auf dem Bild, die man beliebig verschieben kann, wenn man den Effekt dezentralisieren möchte (in diesem Beispiel nicht der Fall).

Effekt einer klaren Vignettierung, angewendet mit verschiedenen Einstellungen für jeden der Schieberegler

Weichzeichnen-Vignettierung

Die Weichzeichnen-Vignettierung sorgt, wie der Name schon andeutet, für einen Weichzeichnungseffekt zum Bildrand hin. Man setzt sie beispielsweise ein, um das Augenmerk des Betrachters auf die Augen oder andere Bildbereiche zu lenken.

Die Schieberegler funktionieren wir bei der Kreativen Vignettierung und dort kann man sinnvollerweise das Werkzeug Zentrum festlegen verwenden um den Effekt je nach Motiv zu dezentrieren. Der Schieberegler Streuung ermöglicht die Akzentuierung des Weichzeichnungseffekts durch Spiel mit der Diffusion von Bilddetails.

Effekt der Weichzeichnen-Vignettierung. Die Markierung Zentrum festlegen, im linken Bild sichtbar, kann anderweitig im Bild platziert werden, damit der Effekt nicht mittig liegt.

5- Schwarz-Weiß Porträts

In DxO OpticsPro und DxO FilmPack finden sich eine Vielzahl an Werkzeugen zur Konvertierung in Schwarz-Weiß, wozu Sie weitere Informationen in mehreren Tutorials der DxO Academy finden.

Selbstverständlich können Sie mit den Schwarz-Weiß– Presets beginnen, die exzellente Ergebnisse liefern und als gute Ausgangsbasis dienen. Möchten Sie noch einen Schritt weiter gehen, so finden Sie weitere monochrome Bildwiedergaben in der Palette Farbe:

  • unter Farbwiedergabe > Kategorie > Schwarzweißfilm
  • unter Stil-Tonung (Einfache Tonung > Stil > Schwarzweiß)

Ist DxO FilmPack als Plug-in für DxO OpticsPro installiert, haben Sie die Qual der Wahl zwischen Filtern, die eine Vielzahl analoger Filme simulieren oder dem Kanalmixer, mit dem Sie ihre eigene Schwarz-Weiß-Wiedergabe erstellen können.

 

Schwarz-Weiß-Preset Männliches Porträt

Zwei verschiedene Wiedergaben, jeweils mit nur einem Mausklick erzielt: Links der Kodak T-Max 400 und rechts der Ilford HPF Plus 400

6- Hochkontrast-Porträts

Derzeit gelten Hochkontrast-Porträts als absolut hip in den Medien, die besonders für männliche Gesichter und markante Gesichter geeignet sind. Hochkontrast-Porträts sind zum einen stark entsättigt (Haar- und Hautfarbe sind fast schon vollständig reduziert), zum anderen sehr kontrastreich (die Gesichtsdetails werden verstärkt).

Hochkontrast-Porträts sind derzeit in den Medien stark im Kommen. Sie verleihen Gesichtern einen starken Charakter.

Um obigen Effekt zu erzielen, gehen Sie wie folgt vor:

  • Nehmen Sie, sofern nötig, grundlegende Korrekturen vor (Weißabgleich, Tonwerte etc.).
  • Drehen Sie den Schieberegler Vibrancy in der Palette Wesentliche Werkzeuge > Farb-Akzentuierung stark zurück (auf Werte von -50 bis -80).
  • Begeben Sie sich in die Unterpalette Kontrast und verschieben Sie den Schieberegler Mikrokontrast stark nach oben oder, sofern verfügbar, den Schieberegler Feinkontrast.
  • Falls notwendig, passen Sie die Helligkeit des Bildes über den Schieberegler Mitteltöne in der Unterpalette Selektive Tonwerte an.

Zusammenfassung

Dieses zweiteilige Tutorial verschafft Ihnen einen Eindruck von den zahlreichen Möglichkeiten, die in DxO OpticsPro und DxO FilmPack schlummern, egal ob Sie sie separat oder gemeinsam verwenden.

Legen Sie ruhig los und probieren Sie fleißig auf der Suche nach Ihrem eigenen Stil. Wagen Sie übertriebene Einstellungen, aber achten Sie darauf, die Korrekturen, die sich auf das fotografierte Subjekt auswirken, moderat einzusetzen.

Zum Abschluss möchten wir Ihnen noch ein paar praktische Tipps an die Hand geben:

  • Arbeiten Sie mit RAW-Dateien, da Sie damit viel mehr Handlungsspielraum für Korrekturen haben.
  • Verwenden Sie virtuelle Kopien zur Erstellung mehrerer Versionen Ihrer Porträts.
  • Auch wenn Ihnen die Korrekturwerkzeuge große Freiheiten zugestehen, achten Sie darauf, die Persönlichkeit Ihrer Modellezu respektieren und diese auch herauszuarbeiten.
  • Zeigen und teilen Sie Ihre Arbeit und finden Sie so neue Modelle.

Fotos: Julien Cinquin, Sophie Cornillet-Jeannin