DxO PhotoLab

Erfolgreiche Nachtaufnahmen mit DxO OpticsPro 9

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

In diesem Tutorium zeigen wir, wie Ihnen noch bessere Nachtaufnahmen gelingen. Neben einigen Tipps für die Aufnahme selbst lernen Sie, Sie Ergebnisse mit DxO Optics Pro 9 zu maximieren: Weißabgleich, Belichtung einstellen, Farben kontrollieren und dann die Details ausarbeiten, wie Rauschen und Kontrast.

Um diesem Tutorium zu folgen, benötigen Sie:

  • DxO Optics Pro 9 Standard oder Elite Edition – ja nach Ihrer Kamera.
  • Fotos, vorzugsweise im RAW-Format

1- Fotografieren bei Nacht

Nachtaufnahmen macht man vorzugsweise nicht zur tiefschwarzen Nacht, sondern zur sogenannten „Blauen Stunde“, also in der Zeit, in der die Sonne bereits untergegangen ist, es aber noch nicht ganz dunkel ist – oder am frühen Morgen, wenn es schon nicht mehr schwarze Nacht ist, aber die Sonne noch nicht hinter dem Horizont aufgegangen ist. Der Vorteil dieser Zeiträume ist, dass es Zeichnung und schöne Farben am Himmel gibt mit mehr Licht als in der schwarzen Nacht.

Für erfolgreiche Nachtaufnahmen empfehlen wir Folgendes:

  • Wählen Sie die niedrigste Empfindlichkeit Ihrer Kamera
  • Arbeiten Sie mit einem Stativ, denn die Belichtungszeiten sind relativ lang
  • Stellen Sie den Weißabgleich auf automatisch
  • Für die Belichtung wählen Sie eine Matrixmessung (im Fall von starken Lichtquellen kann eine mittenbetonte Messung vorteilhafter sein)
  • Schließen Sie die Blende Ihres Objektivs, damit Sie eine möglichst große Tiefenschärfe für Ihr Motiv erlangen

Falls Sie freihändig arbeiten, müssen Sie die Empfindlichkeit erhöhen, um die Belichtungszeit möglichst kurz zu halten. In diesem Fall wird sich besonders bei Straßenbeleuchtung der Weißabgleich schnell auf die Orangetöne ausrichten. Legen Sie den Weißabgleich daher manuell fest, oder korrigieren ihn bei der Nachbearbeitung. Mit der höheren Empfindlichkeit erhöhen Sie vermutlich auch das digitale Rauschen.

2- Farben und Belichtung

2.1 – Grundsätzliche Korrekturen anwenden

Beim Öffnen des Bildes mit DxO Optics Pro wendet das Preset „DxO Standard“ ein Set von Korrekturen an, die auf Ihr Bild abgestimmt sind.

2.2 – Weißabgleich festlegen

Sie können die Farbtemperatur mit dem entsprechenden Schieberegler anpassen: je höher der Wert, desto wärmer, je niedriger der Wert, desto kälter. Hier liegt der Wert des Schiebereglers zwischen 3800 K und 3900 K.

Anmerkung

Wenn Sie mehr über den Weißabgleich erfahren möchten, werfen Sie einen Blick in unser Tutorium indem auf diesen Link klicken.

2.3 – Belichtung anpassen

Um mehr Details aus Ihrem Bild herauszuarbeiten, nutzen Sie die Funktion DxO Smart Lighting, mit der Sie die Tiefen und die Spitzlichter korrigieren können. Es gibt verschiedene Intensitätseinstellungen, und Sie können präzise manuelle Einstellungen vornehmen.

Nachtaufnahmen weisen einen hohen Kontrast auf zwischen Lichtquellen, wie den Straßenlampen, und den Bereichen, die nicht beleuchtet werden. Wir raten daher, etwas über die Standardeinstellungen hinaus zu gehen und den Wert manuell auf 80 zu setzen.

Zum Abschluss der Belichtungskorrektur wenden wir uns der Palette Selektive Tonwerte zu.

Mit jedem dieser Schieberegler können Sie die Belichtung bestimmter Bildbereiche anpassen. Um die Spitzlichter zu akzentuieren, dunkeln Sie die helleren Bereiche etwas ab. Um in die dunkleren Bereiche etwas Zeichnung zu bringen, gehen Sie wie folgt vor: reduzieren Sie den Wert für die Spitzlichter auf -40, reduzieren Sie die Mitteltöne auf -15 und ziehen die Schatten hoch auf +10.

In diesem Stadium ist das Histogramm ausgeglichener als im Originalbild. Es ist nach rechts verschoben, das Licht wurde insgesamt geklärt und die Schatten geöffnet. Die rechte Seite des Histogramms ist etwas schmaler als die linke, was zeigt, dass auch Information aus den Lichtern herausgeholt wurde.

2.4 – Farben korrigieren

Für die Korrektur der Farben nutzen Sie die Palette HSL, mit der Sie die Farben ganz präzise anpassen können.

Sie können für jeden einzelnen Farbkanal, oder für alle zusammen die folgenden drei Parameter zur Farbsteuerung anwenden:

  • Mit dem Schieberegler Farbton (Hue) können Sie die Farbe des selektierten Kanals ändern.
  • Die Sättigung ändert die Intensität des ausgewählten Farbtons.
  • Mit dem Regler für die Luminanz (Helligkeit) können Sie die entsprechende Farbe abdunkeln und aufhellen.

Wir werden in diesem Beispiel die Helligkeit des Gelb-Kanals auf 70 erhöhen, um die Farbe der Reflektionen im Wasser aufzuhellen.

2.5 – Kontrast anpassen

Um einen markanteren Eindruck zu erhalten, müssen Sie den Kontrast verstärken. Erhöhen Sie den Kontrast auf 25 sowie den Mikrokontrast auf 55 und sofort hat das Bild eine größere Dynamik.

Nach diesen Korrekturen haben Sie ein markanteres Bild, das das Fotomotiv viel besser übersetzt.

Info

Bei Bildern, die mit langen Belichtungszeiten aufgenommen wurden, können sogenannte tote Pixel sichtbar werden. DxO Optics Pro bietet eine automatische Korrektur der toten Pixel. Sie finden Sie unter den erweiterten Einstellungen der Palette RAW Rauschen. Diese Korrektur findet automatisch statt. Aber in besonderen Fällen können Sie den Wert des Schiebereglers für optimale Korrekturen nochmals speziell erhöhen. Vergessen Sie nicht diese Korrektur vorzunehmen wenn Ihr Foto tote Pixel enthält.

3- Rauschminderung und Mikrokontrast einstellen

Die Qualität moderner Fotoapparate erlaubt es, Nachtaufnahmen ohne Stativ zu machen, ohne viel an Qualität zu verlieren. Dank DxO Optics Pro können Sie ein paar der Mankos korrigieren, die sich daraus im Bild ergeben. Um dies zu veranschaulichen, haben wir ein anderes Bild gewählt.

Beim Öffnen eines Bildes mit DxO Optics Pro wird das DxO-Standardpreset automatisch angewendet.

3.1 – Weißabgleich festlegen

Selektieren Sie das Pipettenwerkzeug  in der Unterpalette RAW-Weißabgleich:

Nachdem Sie das Werkzeug ausgewählt haben, klicken Sie im linken Bild in einen Bereich, der Ihnen als Referenzgrau dient. In unserem Beispielbild wählen wir das untere Ende der Treppenstufen links im Bild.

Mittels der Schieberegler Farbtemperatur und Farbton können Sie das Bild etwas wärmer gestalten. Wählen Sie für die Farbtemperatur etwa 5100 K und für den Farbton einen Wert von -25.

3.2 – Rauschen korrigieren

In der Palette RAW-Rauschen werden wir nun das Rauschen korrigieren.

DxO Optics Pro kann sowohl das Helligkeitsrauschen (Luminanz) korrigieren, dessen Struktur an Silberhalogenidkorn erinnert und von Ihrer Kamera abhängt, als auch das Farbrauschen (Chrominanz), welches in Form von farbigen, meist grünen oder magenta Pixel-Clustern auftritt. Um das Ergebnis der Korrekturen gut beurteilen zu können, zoomen Sie als Erstes auf 100%.

Wenn Sie ganz am Anfang der Bearbeitung Ihres Bildes die Standardkorrektur von DxO Optics Pro auf Ihr Bild angewendet haben, wird das Programm das Rauschen automatisch mindern.

Sie können diese Korrektur manuell überprüfen. Wenn Sie ein etwas „glatteres“ Ergebnis wünschen, können Sie den Wert des Schiebereglers erhöhen, um die Korrektur zu verstärken. Oder Sie verringern den Wert, um ein wenig Rauschen zu belassen und in den Bilddetails nicht zu flach zu werden.

Im Folgenden sehen Sie 100% Zooms bei verschiedenen Korrektureinstellungen.

ORIGINAL (ohne Korrektur)

STANDARDKORREKTUR (Luminanz: 40)

NACHGEBESSERTE KORREKTUR (Luminanz: 80)

Anmerkung

Um mehr über die Korrektur des Rauschens zu erfahren, werfen Sie einen Blick auf unser Tutorium, indem Sie auf den folgenden Link klicken.

3.3 – Mikrokontrast einstellen

Mit dem Schieberegler Mikrokontrast können Sie feine Details verstärken und damit den Schärfeeindruck intensivieren. In unserem Beispiel werden wir die „Schärfe“ wiederherstellen, die durch die Korrektur des Rauschens verloren gegangen ist.

Wählen Sie für den Schieberegler Mikrokontrast einen mittleren Wert, der ein zufriedenstellendes Ergebnis liefert. Wir haben hier den Wert 50 genommen.

Richten Sie den Horizont aus und vergleichen Sie das Foto vor und nach der Bearbeitung um die Korrektureffekte genauer zu betrachten.

4- Noch einen Schritt weiter gehen: Schwarz-Weiß und Kreativität

Bestimmte Nachtaufnahmen eignen sich perfekt für eine Schwarz-Weiß-Verarbeitung. Das zweite Bild, das wir in diesem Tutorium zeigen, könnte ein interessantes Ergebnis liefern.

Wir empfehlen Ihnen dazu im Großen und Ganzen dieselben Einstellungen zu nehmen, und das partielle Preset „Allgemein – Schwarz-Weiß“. Anschließend spielen Sie mit der Palette Selektive Tonwerte. Sie können auch den Mikrokontrast erhöhen um noch etwas mehr Zeichnung im Wasser zu erzielen und den Lichtern mehr Glanz zu verleihen.

Fotos : Hector Martinez