DxO PhotoLab

Interpretation von Histogrammdaten in DxO OpticsPro 10

In Zusammenarbeit mit Gilles Théophile

Sicherlich haben Sie schon bemerkt, dass der hintere Bildschirm Ihrer Kamera genau wie Ihre Bildbearbeitungssoftware ein Histogramm anzeigt. Wozu ist es gut? Was zeigt es an? Wie interpretiert man ein Histogramm und welche Schritte durchläuft man bei der Bildkorrektur?

In diesem Tutorial zur Verwendung des Histogramms in DxO OpticsPro lernen Sie anhand einfacher, konkreter Beispiele, mit denen Sie systematisch im Laufe der Bildkorrektur konfrontiert werden.

Um diese Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie :

  • DxO OpticsPro 10
  • Bilder im RAW-Format

Überbelichtetes Bild, anschließend korrigiert

1- Die Grundprinzipien eines Histogramms

Die Rolle des Histogramms

Das Histogramm stellt das Belichtungsniveau Ihres Bildes grafisch dar und ermöglicht Ihnen einzuschätzen ob das Foto oder ein bestimmter Bildbereich korrekt belichtet, unterbelichtet (zu dunkel) oder überbelichtet (zu hell) ist.

Wenn Sie richtig analysieren was Ihnen das Histogramm anzeigt, sind Sie in der Lage die Korrekturen zu Belichtung/Kontrast sinnvoll mit Hilfe der zahlreichen spezialisierten Werkzeuge in DxO OpticsPro anzuwenden.

Die Histogramm-Palette in DxO OpticsPro

Die grafische Darstellung des Histogramms

Die Grafik des Histogramms präsentiert sich von links nach rechts in Form von Kurvenverläufen, wobei sich diese Kurven von Schwarz nach Weiß bewegen und auf dem Weg die Mitteltöne abdecken. Jeder einzelne Punkt auf einer Kurve steht für die Anzahl der Pixel je gegebenem Belichtungsniveau. Je höher der Punkt liegt, desto mehr Pixel sind für einen bestimmten Helligkeitswert vorhanden.

Das Histogramm gibt also den Tonwertumfang Ihres Bilds an, von seinen dunkelsten Elementen bis hin zu seinen hellsten. Es kann aber auch die geclippten Werte anzeigen, d.h. die Bildbereiche, die so dunkel oder so hell sind, dass Sie über den Tonwertumfang hinausgehen, also einen partiellen oder völligen Informationsverlust von Bilddaten darstellen. Falls dieser Verlust partiell ist, können die Algorithmen in DxO OpticsPro die fehlenden Bildinformationen wiederherstellen, so dass Sie Spitzlichter und geclippte Schwarztöne rekonstruieren können.

Histogrammanzeige

Sie können sehen, dass ein Histogramm aus sich überlagernden Kurven in verschiedenen Farben besteht, nämlich den RGB-Kanälen, aus denen sich ein digitales Bild zusammensetzt. Sie können sie einzeln durch Klick auf die entsprechenden Buttons in der Histogramm-Anzeige aufrufen:

  • Alle Kanäle (Button RGB): Zeigt alle Kanäle an; Helligkeit, Rot, Grün, Blau sowie sämtliche additiven Farbmischungen (z.B. ist Cyan eine Mischung der Farbkanäle Blau und Grün).
  • Rot-Kanal (Button R): Zeigt das Helligkeitsniveau nur für den Rot-Kanal an.
  • Grün-Kanal (Button G): Zeigt das Helligkeitsniveau nur für den Grün-Kanal an.
  • Blau-Kanal (Buttton B) : Zeigt das Helligkeitsniveau nur für den Blau-Kanal an.
  • Luminanz-Kanal (Button L): Zeigt die Helligkeit des Bilds an, im Histogramm dargestellt in der Farbe grau.

Anzeige der verschiedenen Kanäle im Histogramm

Konkret verwenden Sie aus Gründen der Praktikabilität und Einfachheit im Wesentlichen nur den RGB-Modus oder den Luminanz-Modus, wohl wissend dass Ihr Bild zu Beginn bereits eine Korrektur durch das Preset DxO Standard und damit auch durch seine Teilkomponente DxO Smart Lighting erfahren hat.

Fahren Sie mit dem Mauszeiger über das Bild, so wird die Helligkeit der RGB-Werte (zwischen 0 und 255) oben rechts über dem Histogramm angezeigt.

Ein reines Weiß beispielsweise erzielt einen Wert von 255 je Kanal, ein reines Schwarz wird mit 0 angezeigt und ein mittleres Grau weist einen Wert von 128 je Kanal auf.

Das kleine Quadrat oben rechts zeigt zudem den Farbton des Bildbereichs an, auf den der Mauszeiger gerade deutet.

Anzeige der RGB-Werte und des Farbtons

Hinweis

Warum spricht man von der Luminanz je Kanal bei Werten zwischen 0 und 255? Das liegt an dem alten Grundsatz der Informatik, dass ein Pixel durch 1 Byte à 8 Bits dargestellt wird. Die maximale Farbanzahl liegt bei 2 (eine 0 + eine 1) bei einer Potenz von 8, also maximal 256 (je Kanal R, G, B). Tatsächlich basieren Ihre RAW-Dateien allerdings auf 16 Bits, es gibt also 65 536 Abstufungen.

Anzeige geclippter Bereiche

Beschnittene Bildbereiche werden auf zwei Arten angezeigt. Einmal über Peaks der Unter- oder Überbelichtung am jeweiligen Ende des Histogramms sowie über farbige Masken im Bild selbst in der Farbe des entsprechend betroffenen Kanals, die nach Klick auf die folgenden Buttons erscheinen:

  • Beschnittene Tiefen: Geclippte Informationen in den dunklen Bildbereichen
  • Beschnittene Lichter: Geclippte Informationen in den hellen Bildbereichen

Diese Anzeige ermöglicht Ihnen einen optimale Einstellung Ihrer Korrekturen, so dass::

  • die Peaks des Histogramms innerhalb der Grenzen stattfinden,
  • die farbigen Masken verschwinden oder sich zumindest bestmöglich reduzieren lassen.

Anzeige geclippter Bildbereiche in den Schatten und Spitzlichtern

2- Ein korrekt belichtetes Bild

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Ein Bild kann als korrekt belichtet bezeichnet werden, wenn der Tonwertumfang sich über das gesamte Histogramm verteilt, keine geclippten Bereiche zu verzeichnen sind oder nur wenige dieser geclippten Bildbereiche entstanden sind, die auf punktuelle Lichtquellen zurückzuführen sind und bei denen es wenig sinnvoll ist, sie wieder herzustellen, so z.B. bei der Sonne oder Autoscheinwerfern.

Korrektur

In diesem Fall benötigen die Bilder kaum Korrekturen. Man kann dem Gesamtbild ein wenig mehr Brillanz verleihen, sei es über die automatische Funktion von DxO Smart Lighting oder über die gezielte Auswahl der verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten (Leicht, Mittel, Stark) als auch über die verschiedenen anderen zur Verfügung stehenden Werkzeuge (Selektive Tonwerte, Tonwertkurve, etc.).

Korrekt belichtetes Bild, vorher/nachher

3- Ein unter- oder überbelichtetes Bild

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Ein unterbelichtetes Bild ist extrem dunkel und sein Histogramm ist entsprechend linkslastig. Ein überbelichtetes Bild hingegen ist zu hell und sein Histogramm ist rechtslastig.

Sie können allerdings auch ein Bild mit unter- und an anderer Stelle überbelichteten Bereichen haben, was sich in einem Histogramm äußert, das mittig eine Mulde abbildet und links und rechts an den Extrempunkten jeweils Höhepunkte.

Hinweis

Achten Sie darauf, ein unter- oder überbelichtetes Bild nicht mit einem ausgewogen belichteten Bild zu verwechseln, das dunkle oder helle Elemente enthält, die in Form von Höhepunkten/Peaks in der Histogrammkurve dargestellt sind.

Korrektur

Auch hier sollten die automatischen Korrekturen von DxO Smart Lighting zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führen, das Sie jederzeit noch nach Ihrem Geschmack mit Hilfe der manuellen Werkzeuge anpassen können.

Wenn Sie sämtliche Korrekturen manuell vornehmen, sollten Sie auf die folgenden Punkte achten:

  • – Vermeiden Sie das Erzeugen von geclippten Bildbereichen und damit das Risiko des Verlusts von Bildinformationen.
  • – Bestimmen Sie das Hauptmotiv des Bilds um die Belichtung adäquat anpassen zu können.
  • – Nehmen Sie der Stimmung im Bild nicht seine ursprüngliche, natürliche Atmosphäre durch z.B. übertriebenes Aufhellen der Schatten.

Unterbelichtetes Bild, vorher/nachher

Überbelichtetes Bild, vorher/nachher

Gleichzeitig über- und unterbelichtetes Bild, voher/nachher

4- Ein geclipptes Bild

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Ein Bild mit geclippten Werten an sich stellt zunächst kein Problem dar, solange die Mitteltöne perfekt verwertbar sind und das Hauptmotiv im Bild nicht ruiniert ist. Die beschnittenen Bildbereiche werden über abgeschnittene Kurven an den Endpunkten des Histogramms dargestellt: geclipptes Schwarz links und geclipptes Weiß rechts im Histogramm.

Achtung – es kann beschnittene helle und dunkle Werte durchaus auch innerhalb eines Fotos geben!

Korrektur

Egal welches Werkzeug Sie für die Wiederherstellung der beschnittenen Bildinformationen verwenden, folgen Sie diesen Ratschlägen:

  • Versuchen Sie nicht, punktuell Informationen wiederherzustellen – wie z.B. das Schwarz eines Bohrlochs oder spektakuläre Reflektionen..
  • Geben Sie dem Hauptmotiv den Vorzug – Pech gehabt, wenn noch geclippte Bereiche verbleiben.
  • Aktivieren Sie die Anzeige der geclippten Bereiche damit Sie Ihre Korrekturen gezielt vornehmen können.
  • Behalten Sie jederzeit Ihr Histogramm im Auge!

Wiederherstellung geclippter Spitzlichter, vorher/nachher

Anzeige der beschnittenen Bildbereiche, vorher/nachher

Wiederherstellung geclippter Schatten, vorher/nachher

Anzeige der beschnittenen Bildbereiche, vorher/nachher

Fotos: Gilles Théophile