DxO PhotoLab

Makrofotos mit DxO OpticsPro 9

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

In diesem Tutorial geben wir Ihnen ein paar Tipps zur Makrofotografie und erklären dann wie Sie mit DxO Optics Pro 9 die Belichtung korrigieren, Farben herausarbeiten und die Klarheit Ihrer Bilder verstärken.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie:

  • DxO Optics Pro 9 Standard oder Elite mit dem entsprechenden Modul für Ihre Kamera-Objektiv-Kombination.
  • Fotos, vorzugsweise im RAW-Format

1- Die Makrofotografie

Das Prinzip der Makrofotografie besteht darin, sich einem kleinen Objekt zu nähern um so eine starke Vergrößerung desselben zu erzielen. Natürlich hängt dabei viel von Ihrem Objektiv ab, da nicht alle Objektive gleichermaßen für Makroaufnahmen geeignet sind.

Ein (kleines) Teleobjektiv eignet sich am besten um möglichst nah an Objekte, besonders an Insekten, heran zu kommen. Erlaubt Ihnen Ihr Equipment nicht, aus so kurzer Distanz zu fotografieren (z.B. weil auf diese kurze Distanz nicht scharfgestellt werden kann), können Sie Accessoires wie Zwischenringe oder Vorsatzlinsen verwenden.

Eine Konsequenz aus der Verwendung von Teleobjektiv und kurzer Fokusdistanz ist dass Sie eine nur sehr geringe Schärfentiefe erzielen können. Vermeiden Sie daher möglichst eine weite Blendenöffnung und berücksichtigen Sie diesen Umstand bei der Aufnahme! Allerdings laufen Sie Gefahr die Lichtempfindlichkeit heraufsetzen zu müssen, ganz besonders wenn Sie Ihre Fotos am Tagesanfang machen bevor die Insekten aktiv werden und das Licht zu hart wird.

Eine weitere Herausforderung bei dieser Art der Aufnahme ist der Fokus: Die Objekte können sich bewegen (bei diesem Abstand zum Objekt ist die kleinste Brise problematisch); wir raten Ihnen daher Ihre Kamera auf den kontinuierlichen AF-Modus einzustellen oder gleich manuell zu fokussieren.

Ein letzter Tipp betrifft die Bildkomposition: Während die üblichen Regeln zur Bildkomposition gelten, vergessen Sie nicht dass Sie so auf einfache Art ein Bild erzeugen können das die Umgebung einbezieht ohne weit zoomen zu müssen und Sie so immer noch eine sehr hübsche Bildwiedergabe erzielen.

2- Belichtungskorrektur

Schritt 1 – Grundkorrekturen vornehmen

Öffnen Sie Ihr Bild in DxO Optics Pro und wenden Sie die Autokorrektur „DxO Standard“ an (diese Korrektur wird automatisch angewendet sofern Sie dies in Ihren Einstellungen nicht geändert haben).

Die Korrekturen werden also automatisch auf Ihr Bild angewendet: Zunächst erfolgt eine optische Korrektur, die speziell auf Ihre Kamera-Objektiv-Kombination abgestimmt ist. Dann wird Ihr Bild automatisch analysiert und die Belichtung entsprechend angepasst.

Schritt 2 – Belichtung anpassen

Prüfen Sie zunächst im Histogramm ob es notwendig ist, eine allgemeine Korrektur vorzunehmen.

Achten Sie dabei besonders darauf ob insbesondere dunkle oder ausgebrannte Bildbereiche einer weiteren Korrektur bedürfen.

Bei unserem Bild liegt nichts Extremes vor, aber der Großteil des Histogramms ist nach links verlagert, was bedeutet dass das Foto ein wenig dunkel ist. Über die Palette Belichtungskorrektur ist es möglich ihm ein wenig Helligkeit zurückzugeben. In unserem Fall haben wir kein Problem mit Spitzlichtern und behalten daher die Standardkorrektur Smart bei. Wir verschieben lediglich den Stärke-Schieberegler nach rechts um die Helligkeit ein wenig anzuheben.

Stellen Sie den Regler auf einen Wert um die +1,20

Sie werden feststellen dass das Foto deutlich heller und das Histogramm nun zentriert ist.

Schritt 3 – Stellen Sie die Tonwerte Ihres Bilds ein

Die Feineinstellung der Tonwerte Ihres Bilds können Sie mit dem Werkzeug Selektive Tonwerte vornehmen. Wie der Name schon suggeriert, haben Sie über dieses Werkzeug Zugang zu jeder Tonalität Ihres Bildes, also zu den vier Bereichen, die als Vertikalen im Histogramm angezeigt werden.

Befindet sich Ihr Histogramm relativ weit links, können Sie die Tonalität des korrespondierenden Bereichs, also die Spitzlichter, anheben.

Verschieben Sie den Regler auf +40.

Haben Sie erst einmal die extremen Tonwerte und die Belichtung bearbeitet, kümmern Sie sich um die mittleren Bereiche: Mitteltöne und Schatten.

In unserem Bild interessieren uns vor allem die Schatten: Die allgemeine Anhebung der Helligkeit hat dafür gesorgt dass die Flügel des Schmetterlings zu grau geworden sind. Wir werden sie nun also wieder abdunkeln und so dem Gesamtbild einen größeren Kontrastumfang bescheren.

Stellen Sie den Schieberegler auf -35.

Tipp

Verwenden Sie die Anzeige der ausgebrannten und dunklen Bildbereich damit Sie sehen wie weit Sie die Schieberegler verstellen können. So komplementieren Sie die Bildwiedergabe auf Ihrem Monitor (der übrigens kalibriert sein muss) mit Hilfe der Buttons  , die Sie unterhalb des Histogramms finden.

3- Farbanpassung

Schritt 1 – Einstellen des Weißpunkts

Über die klassische Verwendung der Korrektur hinaus können Sie die Palette Weißabgleich verwenden um die Farbgebung in Ihrem Bild gezielt zu beeinflussen.

In unserem Beispielbild wirken die Farben relativ kühl, aber Sie können ihnen mit Hilfe des Schiebereglers Farbwiedergabe einen wärmeren Farbton verleihen.

Stellen Sie die Farbtemperatur auf etwa 8000 K ein.

Es ist durchaus möglich dass diese Farbänderung kompensiert werden muss, so wie bei unserem Beispielfoto auch: das Blatt ist ins Gelbliche abgedriftet. Korrigieren wir dies über die Verstellung des Schiebereglers Farbton auf -70.

Schritt 2 – Anpassen der Farben

Sind die Tonwerte erst einmal festgelegt, können Sie mit dem Werkzeug Farbton / Sättigung / Helligkeit Kanal für Kanal die Feineinstellung vornehmen. Mit diesem Werkzeug stehen Ihnen 6 Farbkanäle zur Verfügung, die Sie unabhängig voneinander in Bezug auf Farbton, Sättigung und Helligkeit einstellen können. Selbstverständlich sind die meisten Farben Mischfarben. Daher ist bei der Verwendung dieses Werkzeugs Vorsicht geboten, da die Schieberegler doch recht schnell Einfluss auf die Farbwiedergabe nehmen, insbesondere der Farbton-Schieberegler.

Hinweis

Auch die Verwendung von Sättigung und/oder Vibrancy ist für die Änderung von Farben im gesamten Bild denkbar. In unserem Beispiel allerdings soll der Farbbereich rechts neutral bleiben und nicht herausgearbeitet werden. Daher raten wir in Fällen wie diesem von der Verwendung der obigen Werkzeuge ab.

In dem für dieses Tutorial verwendeten Beispielbild werden wir den Orangeton des Schmetterlings herausarbeiten um ihm ein wenig mehr Intensität und Helligkeit zu geben.

Orange ist eine Farbe, die sowohl über den Gelb- als auch den Rotkanal angepasst werden kann. Wir beginnen zunächst mit dem Rotkanal, da im Rest des Fotos wenig rot vorkommt. Das bedeutet dass der Rest des Bilds von unseren Anpassungen relativ unberührt bleiben wird. Wählen Sie also den Kanal Rottöne im Dropdownmenü der Palette aus.

Beginnen wir mit der Einstellung des Farbtons: Zur Verstärkung des Orangetons stellen Sie den Wert auf +6°, was automatisch den Schieberegler in den Orangeton der Farbtonskala versetzt. Verschieben Sie den Schieberegler von dort aus weiter, wandert der Farbton ins Gelbliche und hellt damit den korrespondierenden Bildbereich auf, was ihn ein wenig blasser erscheinen lässt.

Stellen Sie nun den Schieberegler Sättigung auf +30.

Tipp

Damit Sie die Unterschiede zwischen Ihrem Bild vor und nach der Bearbeitung sehen können, aktivieren und deaktivieren Sie die vorgenommenen Korrekturen durch Verwendung des Buttons  direkt neben der jeweiligen Palettenbezeichnung.

Als nächstes wenden wir uns dem Gelbkanal zu um zum einen die orangenen Flecken auf dem Schmetterlingsflügel weiter herauszuarbeiten und zum anderen um das dominante Gelb ein wenig zu reduzieren, das durch den Weißabgleich entstanden ist. Wählen Sie also die Gelbtöne im Dropdownmenü aus.

Wie bei den Rottönen beginnen wir mit der Positionierung des Schiebereglers Farbton, dieses Mal auf -5°. Auch hier sollten Sie die Werte sukzessive verändern, ganz besonders wenn Sie mit einem Farbton arbeiten, der dominant im Bild vertreten ist.

Setzen Sie nun den Schieberegler Sättigung auf -20.

Bisher haben wir erreicht was wir uns vorgenommen hatten: Ein deutlich wärmeres Bild, das einen farblich intensiveren Schmetterling zeigt.

4- Schärfekorrektur

In DxO Optics Pro stehen mehrere Werkzeuge zur Schärfekorrektur zur Verfügung, allen voran die optischen Korrekturen, die sehr effektiv Objektivunschärfe beseitigen (in Abhängigkeit von der verwendeten Kamera).

Für den Fall dass Sie die automatischen Korrekturen noch nachbearbeiten möchten, erklären wir im folgenden Abschnitt die verschiedenen Werkzeuge, die Ihnen dafür zur Verfügung stehen. Bitte beachten Sie dass – wenn Ihr Foto nicht absolut scharf ist – die Bearbeitung den entgegengesetzten Effekt haben kann und die Anmutung von Unschärfe noch weiter verstärken kann wenn scharfe Teilbereiche noch zusätzlich nachgeschärft werden.

Achtung

Gerade bei Makrofotografien empfehlen wir Ihnen, die Korrekturen nicht zu übertreiben. Diese Art von Foto lebt von seinem verschwommen Hintergrund (oder Bokeh) und eine starke Übertreibung bei so mancher Korrektureinstellung nimmt dem Bild diesen Weichzeichnungseffekt.

Schritt 1 – Korrektur von Bildrauschen

Sie sollten unbedingt mit diesem Schritt beginnen, denn andere Einstellungen können das Bildrauschen noch weiter verstärken und so wird es immer schwieriger es vollständig zu eliminieren.

Die Autokorrektur DxO Standard nimmt direkt bei Öffnen eines Fotos eine Korrektur des Bildrauschens vor. Manchmal ist es dennoch trotzdem notwendig diese Korrektur manuell über die Palette Rauschminderung nachzuarbeiten.

Ist dies der Fall, beginnen Sie mit der Verwendung des Schiebereglers Luminanz unter Verwendung des Lupenwerkzeugs. Wenn Sie sehen dass die automatische Korrektur des Bildrauschens für Ihr Foto nicht ausreichend war, wählen Sie das PRIMEWerkzeug zur Rauschminderung. Bitte beachten Sie dass Sie eine Vorschau dieser Korrektur über das Lupenfenster erhalten, aber den Effekt auf das gesamte Bild erst nach erfolgtem Export betrachten können.

Tipp

Ist die Lupe an einer weniger kritischen Stelle in Ihrem Bild platziert, verschieben Sie sie durch einen Klick auf den Button  und anschließende Positionierung der Lupe an die gewünschte Stelle. Klicken Sie dann erneut auf den Button  und deaktivieren Sie so die Positionierungsfunktion der Lupe.

In unserem Beispielbild ist das Bildrauschen im rechten Teil wegen der starken Belichtungskorrektur in den dunklen Bildbereichen besonders dominant. Korrigieren Sie diesen Umstand durch

Verschieben des Schiebereglers Luminanz auf +70.

Schritt 2 – Verstärkung des Mikrokontrasts

Das Werkzeug Mikrokontrast, das sich in der Palette Kontrast befindet, hilft die Bildschärfe noch weiter zu unterstreichen, kann aber auch destruktiv wirken wenn Sie es zu stark einsetzen. Genießen Sie dieses Werkzeug also mit Vorsicht!

In unserem Beispiel müssen wir besonders im rechten Bildbereich vorsichtig sein, da dort ein wenig Bildrauschen vorherrscht. Setzen wir den Schieberegler also auf 40.

Schritt 3 – Verwendung der Unscharfmaskierung

Die Palette Unscharfmaskierung ist grundsätzlich wenig hilfreich wenn ein optisches DxO Modul verfügbar ist, weil das Modul die optimalen Korrekturen automatisch anwendet. Nichtsdestotrotz können Sie natürlich jederzeit entscheiden, über diese Korrekturen hinaus noch selbst Hand anzulegen.

Die verschiedenen Schieberegler dieser Palette verhalten sich wie folgt:

  • Stärke: Bestimmt den Grad der Korrektur
  • Radius: Bestimmt die Dicke der Konturen vor der Korrektur
  • Schwellwert: Gibt den Schwellenwert an, unterhalb dessen die Korrektur nicht angewendet wird
  • Offset Ecken: Verstärkt die Korrektur an den Bildrändern um eine gleichmäßige Anwendung der Korrektur auf das gesamte Bild zu gewährleisten.

Wir wenden den Schieberegler Schwellwert auf unser Beispielbild an um die Korrekturanwendung auf die Bildbereiche zu beschränken, in denen Bildrauschen herrscht.

Für unser Beispiel wählen wir die folgenden Einstellungen:

Fotos : Patrice Lanies, Christophe Gressin