DxO PhotoLab

Schwarzweiß-Fotomalerei mit DxO-Software & Adobe Photoshop

Von DxO Image Master Julia Anna Gospodarou

Julia verlässt sich ganz auf die Software von DxO um die bestmögliche Ausgangsbasis für ihr Bild zu schaffen, bevor sie die Möglichkeiten der Plug-in-Funktionalität nutzt um zwischen DxO OpticsPro, DxO FilmPack, Adobe Photoshop Lightroom und Adobe Photoshop zu wechseln. In diesem Tutorial werden Sie sehen, wie sie DxO in Kombination mit Adobe Photoshop Lightroom und Adobe Photoshop verwendet, um Fotografische Malerei zu erzeugen. Dies ist eine Verarbeitungsmethode, die die Prinzipien klassischer Bleistiftmalerei auf die Schwarzweiß-Fotografie überträgt. Der Name des Bilds lautet Equivalents I („Äquivalente I“). Es ist Teil einer Serie mit architekonischen schwarzweiß FineArt-Bildern.

Um diesen Workflow nachzuvollziehen benötigen Sie:

  • DxO OpticsPro 10
  • DxO ViewPoint 2
  • DxO FilmPack 5
  • Adobe Photoshop Lightroom
  • Adobe Photoshop
  • Einige Fotos, vorzugsweise im RAW-Format

Mein Ziel bei der Erschaffung eines schwarzweiß FineArt-Bilds ist es nicht die Realität wiederzugeben, sondern durch die Bearbeitung des Fotos von der Aufnahme zum endgültigen Bild meine Idee umzusetzen. Daher nenne ich meine Art der Fotografie “(en)Visionography”. Ich betrachte dies als neue Art der Fotografie im digitalen Zeitalter, bei der der Fotograf sich mehr auf seine Vorstellungskraft und die Bildbearbeitungssoftware bei der Erzeugung von FineArt verlässt, als dies im Filmzeitalter der Fall war, als sich der Fotograf mehr auf die Szenerie und das verfügbare Licht bei der Aufnahme verlassen hat.

In Adobe Photoshop Lightroom: Grundlegende Arbeiten

Ich beginne meinen Workflow in Adobe Photoshop Lightroom, wo ich einige geringfügige Basisanpassungen vornehme, zum Beispiel das Hinzufügen meiner Stichworte, das Entfernen von Staubflecken und andere einfache Retuschearbeiten. Wenn ich damit fertig bin, exportiere ich meine Datei zu DxO OpticsPro.

In DxO OpticsPro: Belichtung, Entrauschen und Objektivkorrekturen

Dann öffne ich die RAW-Datei in DxO OpticsPro und lasse die Software die automatischen Korrekturen vornehmen, die das Bild entsprechend der verwendeten Kamera und des Objektivs verbessern.

Hinweis

Für weitere Informationen zu den Schlüsselfunktionen des Workflows mit DxO OpticsPro 10 sowie den automatisierten Prozessen, die beim Programmstart ablaufen, und den vielen Werkzeugen zur Korrektur und zum Export Ihrer Bilder, lesen Sie bitte das entsprechende Tutorial.

Danach beginne ich damit, das Foto manuell zu bearbeiten um die gewünschten Ergebnisse zu erzielen, bevor ich es zurück zu Adobe Photoshop Lightroom und von dort aus zu Adobe Photoshop exportiere.

Die erste Anpassung, die ich vornehme, bearbeitet die Belichtung, insbesondere dann wenn die Datei unter- oder überbelichtet ist. In diesem Fall war die Anpassung nicht besonders stark, in anderen Fällen kann es jedoch deutlich wichtiger sein – je nach ursprünglicher Aufnahme. Hier habe ich die Belichtung von 0 auf 0,20 angehoben um das Bild leicht aufzuhellen.

Eine weitere Funktion, die ich gleich zu Beginn insbesondere bei unterbelichteten Fotos verwende, ist DxO Smart Lighting, das die Schatten aufhellt ohne stark zu verrauschen. Dies ist eine der besten Funktionen in DxO OpticsPro und gehört zu meinen Lieblingswerkzeugen. Hier habe ich DxO Smart Lighting von 25 auf 28 angepasst.

Ich musste außerdem die Mitteltöne und Schatten selektiv aufhellen, daher war der nächste Schritt eine leichte Anhebung derselben.

Das nächste Werkzeug, das ich immer verwende, ist ClearView, das die Klarheit meines Fotos verstärkt. Es ist eine der besten Funktionen für architektonische Aufnahmen, egal ob FineArt-, klassische Architekturfotografie, schwarzweiß oder farbige Bilder.

Zusammen mit der Verwendung von ClearView kann eine Anpassung des Kontrasts dem Bild mehr Pepp und Schärfe verleihen. Daher habe ich den Mikrokontrast, den Feinkontrast und den Kontrast der Mitteltöne leicht verstärkt.

Dieses Bild hatte wie die meisten Langzeitbelichtungen ein ernsthaftes Rauschproblem. Zum bereits vorhandenen Rauschen kam noch zusätzliches Rauschen in den dunklen BIldbereichen, die ich gerade aufgehellt hatte – kurzum: es gab eine Menge Rauschen und tote Pixel.

Als nächstes verwendete ich die Funktion PRIME, die die qualitativ hochwertigste Entrauschung ist, die DxO OpticsPro zu bieten hat. Ich habe zudem die Werte für ie Rauschreduzierung auf das Maximum angepasst, sodass das Ergebnis besser ist und das Bild klarer aussieht.

PRIME beseitigt tote Pixel, sollten trotzdem einige nach der Entrauschung übrig sein, können Sie diese mit dem Staubwerkzeug entfernen.

Eine Funktion, die ich statt des Schärfens gerne verwende, ist Lens Softness. Diese fügt dem Bild Schärfe und Klarheit basierend auf dem verwendeten Objektiv hinzu. Das sorgt für ein natürlicheres Ergebnis, weil das Programm mit richtigen Daten arbeitet, die der Charakteristik des Objektivs sowie der Eigenheiten des Sensors entsprechen.

In diesem Fall habe ich den Wert Allgemein auf 0,20 sowie Details auf 56 angepasst. Keine radikale Anpassung, aber die Ergebnisse sind sichtbar denn das Bild ist viel schärfer und klarer.

Chromatische Aberration und Farbsäume sind zwei Hauptprobleme mit denen Fotografen bei Aufnahmen mit Weitwinkel- und Zoomobjektiven konfrontiert sind, insbesondere im Randbereich der Bilder. Ich habe dieses Bild mit dem Nikon 10-24mm f/3,5-4,5G aufgenommen, einem der besten verfügbaren Weitwinkelobjektive, und hatte trotzdem damit zu tun.

In diesem Fall haben die von DxO OpticsPro automatisch vorgeschlagenen Werte gut funktioniert und ich musste nur die Korrektur Violette Farbsäume manuell anpassen.

In DxO ViewPoint: Perspektivkorrekturen

Für mich als Architekturfotografin ist DxO ViewPoint eines meiner Lieblingsprogramme unter den Werkzeugen von DxO. Es ist ein einzigartiges Tool, mit dem ich Vertikalen ausrichte, geometrische Deformationen korrigiere und manchmal sogar meine Perspektive verbessere.

DxO ViewPoint kommt mir sehr gelegen um die Konvergenz meiner Bilder zu intensivieren, wodurch ich eine dynamischere Ansicht erzielen kann, selbst wenn mein Standpunkt oder mein Objektiv mir nicht ermöglicht, diese schon bei der Aufnahme zu erzeugen. So gehe ich dafür vor:

Ich wähle die Intensität der Korrektur basierend auf der Intensität der Veränderung, die ich erzielen möchte. In diesem Fall habe ich eine relative geringe Intensität von 19 verwendet, daher ist die Veränderung nicht so dramatisch.

In Adobe Photoshop: Lokale Anpassungen und Schwarzweiß-Konvertierung

Nach diesem Schritt exportiere ich das Bild zu Adobe Photoshop und bearbeite es weiter. Ich konzentriere mich auf lokale Details und selektive Verarbeitung durch Konvertierung in schwarzweiß und Verbesserung der Lichter und Schatten. Um zu Adobe Photoshop zu exportieren sende ich zunächst das Foto als 16bit TIFF-Datei an Adobe Photoshop Lightroom und von dort aus öffne ich es in Adobe Photoshop, wo ich die DxO-Software als Plug-in verwende.

In DxO FilmPack: Kreative Zugaben

Nach der Bearbeitung des Fotos in Adobe Photoshop öffne ich das Bild in DxO FilmPack um es in schwarzweiß zu konvertieren und um die Grundlage für die weitere Bearbeitung zu schaffen (natürlich könnte die Konvertierung auch in DxO OpticsPro mit Hilfe von DxO FilmPack als Plug-in vorgenommen werden – ich mag aber die Benutzeroberfläche von DxO FilmPack). Beim vorliegenden Bild habe ich außerdem die Proportionen leicht verändert bevor ich es in schwarzweiß konvertiert habe, um so eine Komposition zu erzeugen, die meiner Vorstellung näher kommt.

Nach dem Öffnen des Bilds in DxO FilmPack habe ich zunächst das Preset Dark City angewendet, ein Preset das ich für DxO FilmPack erstellt habe und das Sie beim Kauf der Version unter all den anderen Presets finden. Die Kategorie heißt “Dunkle Stadt” und beinhaltet einige meiner bevorzugten Konvertierungen mit DxO FilmPack – nicht nur in schwarzweiß sondern auch in Farbe.

Wenn ich nach der Verwendung von DxO FilmPack das Bild wieder in Adobe Photoshop bearbeiten möchte, mache ich so viele Anpassungen wie nur möglich direkt in DxO FilmPack, da ich hier mehr Kontrolle über die einzelnen Bildbereiche habe, sodass ich so nah wie möglich an das Bild meiner Vorstellung herankomme.

Ich nehme Änderungen an meinem Basis-Preset Dunkle Stadt vor und beginne dabei mit den Eigenschaften des verwendeten Films.

  • Film Wiedergabe – Ilford FP4 Plus 125
  • Film Intensität 98
  • Korn – Ilford FP4 Plus 125
  • Korn Intensität 38
  • Korn Grösse – Grossformat

Als nächstes arbeite ich an den Entwicklungseinstellungen.

Grundsätzlich verwende ich bei meiner Arbeit nicht die grafischen Effekte, die aber in manchen Fällen hilfreich sein können.

Anschließend verwendete ich bei diesem Bild einen relativ starken Rotfilter um den Himmel zu intensivieren und zu verdunkeln und mehr Kontrast zu erzeugen. Ich habe außerdem eine leichte Vignette hinzugefügt um die dunklen Töne in den Ecken zu verstärken.

Normalerweise verwende ich bei meinen FineArt-Architekturfotos keinen Weichzeichner, daher bleibt der Wert Soft Fokus bei 0.

Nach all diesen Schritten speichere ich alles und exportiere zurück zu Photoshop.

In DxO ViewPoint: Finale Perspektivkorrekturen

An diesem Punkt gehe ich manchmal zurück zu DxO ViewPoint um die Perspektive noch weiter zu verändern. In Abhängigkeit vom zu bearbeitenden Foto richte ich die Vertikalen weiter aus oder verändere den Winkel der konvergenten Ecken der Formen in meinem Bild.

Das Gute daran ist, dass Sie DxO ViewPoint als Plug-in aus Adobe Photoshop heraus aufrufen und es so jederzeit während Ihres Workflows verwenden können – entweder vor oder nach der Bearbeitung des Bilds in Adobe Photoshop. (Dies gilt auch für DxO FilmPack.)

In Adobe Photoshop: Licht und Schatten malen

Der nächste Schritt in Adobe Photoshop besteht in der Verstärkung des Ergebnisses, das ich durch die ursprüngliche Schwarzweiß-Konvertierung meines Bilds erhalten habe. Dies mache ich, indem ich mein Bild so bearbeite als würde ich auf Leinwand oder Papier arbeiten – ich “male” Licht und Schatten mit Hilfe von Nachbelichten und Abwedeln, Pinseln, Gradienten etc.

Ich verwende diese Werkzeuge so, dass ich die Effekte gezielt auf unterschiedlichen Oberflächen der abgebildeten Formen anwende, je nachdem wie das Licht mit Ihnen spielt.

Eines der wichtigsten Dinge, die Sie bei Anwendung der fotografischen Malerei im Hinterkopf behalten sollten, ist jede Oberfläche separat zu bearbeiten. Dies können Sie durch eine Auswahlmaskierung machen, die die gewählte Fläche definiert. Hier sehen Sie Beispiele der Auswahlen, die ich für dieses Bild vorgenommen habe sowie die Kanalpalette, die Ihnen die als Kanal gespeicherten Auswahlen zeigt.

Es ist ebenfalls wichtig bei fotografischer Malerei daran zu denken Ebenen bei der Bearbeitung zu verwenden, damit Sie Ihr Bild nicht-destruktiv bearbeiten und jederzeit zum vorhergehenden Bearbeitungsstatus zurückkehren können falls dies erforderlich ist.

Hier sehen Sie das endgültige Ergebnis. Mir ist es bei meiner Arbeit sehr wichtig, die Details meiner Bilder zu perfektionieren. Ich verbringe mehr als die Hälfte der Zeit mit der Erzeugung des möglichst perfekten Bilds und der möglichst genauen Wiedergabe meiner ursprünglichen Vorstellung.

Nicht ein einziger Pixel meiner Portfolio-Bilder bleibt unbeachtet und alles, was Sie bei meiner Arbeit sehen, hat eine Existenzberechtigung. Dadurch erzähle ich eine Geschichte und erzeuge meine “(en)Visionography”. Daher brauche ich die bestmögliche Bildbearbeitungssoftware, die am Markt erhältlich ist. DxO bietet mir Topqualität und ist einfach zu verwenden – deshalb arbeite ich gerne damit.

Für mehr Informationen zur Methode der fotografischen Malerei – sowohl theoretische als auch praktische – empfehlen wir Julia Annas Buch From Basics to Fine Art – Black and White Photography, das sie zusammen mit Joel Tjintjelaar geschrieben hat.

Sowie die Website: http://www.juliaannagospodarou.com/Architecture/Equivalents/

Fotos : Julia Anna Gospodarou