DxO PhotoLab

Spitzlichter und Schatten mit DxO OpticsPro 10 meistern

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

DxO OpticsPro 10 enthält mehrere Funktionen zur Bildverarbeitung, aber speziell zur Bearbeitung von Tonwerten verfügt es über zwei: DxO Smart Lighting und Selektive Tonwerte. In diesem Tutorial lernen wir, wie diese zwei sehr leistungsstarken, einfach zu bedienenden Werkzeuge in DxO OpticsPro 10 Schatten und Spitzlichter korrigieren.

Die Tonalität

Die Tonalität ergibt sich aus der Helligkeit und dem Kontrast von Bildern und der Art und Weise, wie hellere, mittlere und dunkle Tonwertbereiche miteinander korrespondieren. Ist sie gut ausbalanciert, hat ein Foto ein natürliches, homogenes Aussehen. Die meisten aktuellen verfügen über einen großen Dynamikumfang. Das bedeutet, sie können große Helligkeitsunterschiede aufnehmen – bis zu 14 Blendenstufen! Der Fotograf behält dennoch die Freiheit vor, die Flexibilität der Verarbeitung von RAW-Dateien, die kameraeigene Dynamik und die Rechenleistung von DxO OpticsPro zu kombinieren, um Bilder mit perfekt kontrolliertem Kontrast zu erhalten, egal unter welchen Bedingungen das Bild aufgenommen wurde.

Um diese Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie :

  • DxO OpticsPro 10, Essential oder Elite
  • Bilder, vorzugsweise im RAW-Format

1- Tiefen mit DxO Smart Lighting aufhellen

In unserem ersten Beispiel sehen wir eine typische Gegenlichtaufnahme, in der sämtliche Details im Vordergrund untergegangen sind. Bei der Aufnahme hat die Kamera die Belichtungszeit und Blende auf den helleren Hintergrund ausgerichtet. DxO Smart Lighting wird den Vordergrund aufhellen und so die Details aus dem hier unterbelichteten Vordergrund hervorholen.

1.1 – Das „DxO Standardpreset“

In DxO OpticsPro öffnen Sie Ihr Bild im Register Organisieren. Dazu klicken Sie im Quell-Browser auf den Ordner, im dem sich das Bild befindet. Der Quell-Browser listet alle Verzeichnisse Ihres Computers und seiner Peripherie auf.

Beim Öffnen eines Bildes wendet DxO OpticsPro das Preset „DxO Standard“ an. Es handelt sich hierbei um ein vollständiges Preset, das Belichtung, Farbwiedergabe, Bildrauschen, Verzeichnung sowie die optische Schärfe Ihres Bildes automatisch korrigiert. Ziel ist ein ausgewogenes und fehlerfreies Bild. Die Korrekturen richten sich dabei nach Ihrer Kameraausrüstung sofern sie von der Software unterstützt wird.

Die Tonalität ist auch Bestandteil der Korrekturen des Presets „DxO Standard“. DxO Smart Lighting wird hier im Modus Leichtangewendet.

In unserem Beispiel wurden die Felsen signifikant aufgehellt, ohne die durch das Gegenlicht hervorgerufene LIchtsituation zu verändern. Um den Unterschied bestmöglich sehen zu können, setzen Sie bei der Wahl des Presets kurz auf Keine Korrektur, so dass Ihnen das Bild einmal ohne jegliche Korrekturen angezeigt wird.

Tipp

Durch einen Klick auf  (unter Windows können Sie auch das Tastenkürzel STRG+D verwenden) können Sie jederzeit einen Blick auf das unkorrigierte Bild werfen. 

1.2 – Intensität ändern

Wenden wir uns nun dem Register Bearbeiten zu, speziell der Palette Wesentliche Werkzeuge > DxO Smart Lighting.

Die Palette DxO Smart Lighting enthält zwei Funktionen: das Menü Modus (hier wählen Sie aus einer Auswahl an Voreinstellungen) und den Schieberegler Intensität zur manuellen Korrektur oder zum Nachbearbeiten der Preset-Korrektur.

Wählen wir nun im Menü Modus von DxO Smart Lighting die Option Mittel: die dunklen Bildbereiche wurden geöffnet, während der Hintergrund ausgewogen bleibt.

Nun wählen wir im Menü Modus von DxO Smart Lighting die Option Stark: das Resultat ist spektakulär! Die dunklen Bildbereiche sind deutlich aufgehellt und gut sichtbar, ohne dass der Himmel unnatürlich wirken würde.

1.3 – Manuell Anwendung eines Presets

Mit dem Schieberegler Intensität können Sie das Ergebnis noch feiner modulieren, indem Sie den Wert manuell ändern. Der Standardwert hängt vom jeweiligen gewählten Modus ab: 25 bei Leicht (das ist die Standardeinstellung), 50 für Mittel und 75, wenn Sie Stark gewählt haben.

Hinweis

Die Modi DxO OpticsPro 9 und DxO OpticsPro 7 sind für Ihre mit einer älteren Version dieser Software bearbeiteten Bilder gedacht, damit die Tonalitäten, die Sie ihnen damals zugewiesen haben, erhalten bleiben (Kompatibilitätsmodus).

In unserem Beispiel nehmen wir die Stärke der Korrektur leicht zurück und wählen den Wert 60.

Hinweis

In unserem Beispiel führt eine Überregulierung im Vergleich zur Standardkorrektur zu atmosphärischem Dunst, den Sie wiederum mittels der Funktion ClearView korrigieren können. Diese Funktion arbeitet auch die Farben in Ihrem Bild heraus. Ein optimales Ergebnis mit nur wenigen Klicks !

2- Ausgefressene Bildbereiche mit dem Werkzeug selektive Tonwerte wiederherstellen

Die Unterpalette Selektive Tonwerte besteht aus vier Schiebereglern: Spitzlichter, Mitteltöne, Schatten und Tiefen. Jeder dieser Schieberegler arbeitet in klar definierten Bildbereichen, ohne die anderen zu beeinflussen.

Tipp

Das Werkzeug Selektive Tonwerter ersetzt die Tonwertkurve in vorteilhafter Weise, da sie zwischen den verschiedenen Bildbereichen unterscheidet und einfach angewendet werden kann.

2.1 – Anzeige geclippter (beschnittener) Bildbereiche

Gehen wir zu unserem ersten Beispiel zurück: Wenn Sie auf den Button Beschnittene Lichter  in der Palette Histogrammklicken, werden Ihnen sämtliche Bereiche mit ausgefressenen Lichtern in Falschfarbendarstellung angezeigt.

Wenn ein Helligkeitswert in den Schatten oder Spitzlichtern die Extremwerte überschreitet, die eine Kamera fotografisch reproduzieren kann, werden diese beschnitten Spitzlichter weiß und völlig unterbelichtete Bereiche als absolutes Schwarz wiedergegeben. Diese Pixel bezeichnet man als „geclippt“ oder „beschnitten“.

2.2 – Tonwertbereiche fein abstimmen

Wir werden jetzt die Helligkeit der verschiedenen Tonwertbereiche unseres Bildes korrigieren.

  • Wenn wir den Schieberegler für Spitzlichter nach links ziehen, werden die Informationen und Details in den hellsten Bereichen des Bildes wiederhergestellt. Insbesondere im Himmel werden Kontrast und Tiefe herausgeholt.
  • Wenn wir den Schieberegler für die Mitteltöne nach rechts ziehen, werden wir die Mitteltöne aufhellen, die den mittleren Bereich im Histogramm repräsentieren.
  • Wenn wir den Schieberegler Schatten nach links schieben, bleiben bestimmte Schattenbereiche des Bildes erhalten, um einen künstlichen HDR-Effekt zu vermeiden und bewahren die Modellierung des Motivs.
  • Wenn wir den Schieberegler für die Tiefen ganz nach rechts schieben, zeigen wir die verschiedenen Stufen der Tiefen und hellen sie etwas auf. Im Histogramm wird das linke Ende nach rechts verschoben und hinterlässt keine Information in den dunkelsten und dichtesten Bereichen des Bildes.

Anmerkung

In unserem Beispiel haben wir für die Schieberegler die folgenden Werte gewählt:

Spitzlichter: -55

Mitteltöne: 0

Schatten: -5

Tiefen: -15

In unserem Bild sind jetzt alle Details wiederhergestellt, sowohl in den Schatten als auch in den Tiefen – und das mit nur wenigen Klicks!

3- Zwei Anwendungsfälle in der Praxis

Zu „dichte“ Bilder korrigieren

In den beiden folgenden Schritten werden wir die Schieberegler der für Selektive Tonwerte in Aktion. Zunächst sehen wir die Anwendung an einem zu dichten Bild (das heißt Details liegen im Schatten), im Anschluss sehen wir was passiert wenn wir es mit einem zu hellen Bild zu tun haben.

Im ersten Beispiel handelt es sich um eine Gegenlichtaufnahme mit einem recht hellen Himmel. Ziel ist, die dunklen Bildbereiche aufzuhellen, aus dem Gebäude im Vordergrund mehr Details herauszuarbeiten und insgesamt ein ausgewogenes Bild zu erzielen. Wir beginnen mit der Anwendung des Modus Mittel von DxO Smart Lighting.

Da die Spitzlichter kaum vertreten sind, dunkeln wir die hellsten Tonwerte durch Regulierung des Schiebereglers Spitzlichter auf -16 ein wenig ab. Anschließend verleihen wir den grauen Wolken über den Schieberegler Mitteltöne, den wir auf -30 setzen, mehr Präsenz.

Die beiden vorherigen Korrekturen haben quasi keine Auswirkungen auf die Felsen im Vordergrund, die wir nun über den Schieberegler Schatten, den wir auf 20 setzen, ein wenig aufhellen. Das Gesamtbild ist nun endlich homogen.

Die Aufhellung der dunklen Bildbereiche geht mit dem Verlust von Kontrast einher, der über Einstellung des Schiebereglers Tiefenauf -20 kompensiert wird. Das Ergebnis ist ein ausgewogenes Bild mit schönem Kontrastumfang, das nun über mehr Tiefe verfügt als zuvor.

Einem Bild Ausdruck verleihen

In unserem zweiten Beispiel werden wir ein Bild korrigieren, das etwas zu hell ist und dem es an Kontrast fehlt. Wir lernen, wie wir wieder ein gutes Gleichgewicht herstellen können.

Zuerst werden wir die Dichte der Wolken und der Wasseroberfläche wieder herstellen. Dazu verschieben wir den Regler für die Spitzlichter auf +15 und den für die Mitteltöne auf -30. So wird der Kontrastumfang des Himmels erhöht.

Wir verstärken den globalen Kontrast durch Akzentuierung der Tiefen, ganz besonders im Wasserbereich und bei den Grünflächen. Dazu ändern wir den Wert des Schiebereglers Tiefen auf -25.

Das erzielte Ergebnis wirkt ausgewogen bei gutem Kontrast und ohne dabei die Atmosphäre des Originalbildes unnatürlich wirken zu lassen.

Fotos: David Keochkerian, Mike and Tammy Rice