DxO PhotoLab

Straßenfotos mit DxO OpticsPro 10 entwickeln

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

In diesem Tutorial erklären wir Ihnen wie Sie Ihre Straßenfotos in Schwarz-Weiß oder Farbe entwickeln. Sie lernen wie Sie die Belichtung korrigieren, Kontraste gezielt anpassen und Farben herausarbeiten um Ihre Fotos lebendiger zu gestalten.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie :

  • DxO OpticsPro 10 Essential oder Elite
  • Fotos, vorzugsweise im RAW-Format

1- Straßenfotografie

Straßenfotografie ist eine Disziplin, die gleichzeitig Diskretion, Aufmerksamkeit und schnelle Reaktion erfordert. Man muss immer bereit sein den Auslöser zu drücken, denn die jeweiligen Situationen sind stets vergänglich und wiederholen sich nur selten.

Hauptsächlich trifft man auf zwei Hauptarten der Straßenfotografie: Stimmungsfotos und Fotos von Personen. Für Stimmungsfotos benötigt man häufig eine kurze Brennweite (50mm oder weniger), während Fotos von Personen ein leichtes Teleobjektiv erfordern. Ein Weitwinkelobjektiv kann aber auch verwendet werden.

Eine Grundvoraussetzung für das schnelle Auslösen ist eine gründliche Vorbestimmung der Kameraeinstellungen. Wir arbeiten daher vorzugsweise im Modus M (Manuell). Dabei müssen die Einstellungen die jeweilige Lichtsituation in Betracht ziehen um auf Anhieb ein gutes Ergebnis erzielen zu können, besonders was Fokus und Schärfentiefe angeht. Zu Beginn ist es am einfachsten wenn Sie z.B. ein 35-55 mm Objektiv verwenden, keine zu große Blendenöffnung wählen und den Fokus auf Ihr Subjekt einstellen. Idealerweise gelingt es Ihnen, einen nahen Fokuspunkt zu wählen damit Sie möglichst viel Schärfentiefe erzielen.

Bei Personenaufnahmen ist es mitunter schwierig die obigen Ratschläge in die Tat umzusetzen, denn manchmal ist das vorherige Einstellen nicht einfach und eventuell entscheiden Sie sich bewusst für eine geringe Schärfentiefe. Daher benötigt man ein wenig Erfahrung um schnell agieren zu können und damit die Szene am Ende den eigenen Vorstellungen entspricht.

Ganz besonders wenn Sie die Stimmung an einem Ort einfangen möchten, bietet sich eine diskrete Vorgangsweise an. Dann ist eine kurze Brennweite (35 oder 50 mm) Ihre beste Wahl. Zögern Sie aber nicht auf Menschen zuzugehen, denn Sie werden häufig erstaunliche Begegnungen haben und dürfen diese Personen fotografieren. Warum fragen Sie nicht auch gleich nach deren Zustimmung die Fotos im Gegenzug für einen Abzug Ihrer Aufnahme veröffentlichen zu dürfen?

2- Entwicklung von Straßenfotos in Farbe

Schritt 1: Nehmen Sie grundlegende Korrekturen vor

Sobald Sie Ihr Foto in DxO OpticsPro öffnen, werden die im Preset DxO Standard hinterlegten grundsätzlichen Korrekturen vorgenommen, die automatisch optische Korrekturen zu der von Ihnen gewählten Kamera-Objektiv-Kombination vornehmen.

Schritt 2: Schneiden Sie das Foto zu

Manchmal entspricht der Bildausschnitt der Aufnahme nicht den eigenen Vorstellungen, was nicht zuletzt daran gelegen haben mag dass Sie schnell auf den Auslöser drücken mussten damit Sie diesen besonderen Moment festhalten konnten.

Aktivieren Sie Ihr Werkzeuge Zuschneiden durch einen Klick auf den Button  in der Werkzeugleiste. Unter dem Bildfenster können Sie die Beschnittmaße für Ihr Foto auswählen. Gehen Sie dazu in das Dropdownmenü Seitenverhältnis.

Schneiden Sie Ihr Bild nun nach Ihren Wünschen zu.

In unserem Beispielbild schneiden wir die rechte Tür samt Rahmen aus dem Bild, behalten aber das ursprüngliche Bildseitenverhältnis bei. Haben Sie das Zuschnitt-Werkzeug aktiviert, klicken Sie auf den Griff der rechten Ecke und ziehen Sie nun den Bildrand mit dem Mauszeiger nach links. Den sich daraus ergebenden Bildausschnitt verschieben Sie ein wenig nach oben damit die Fenster nicht abgeschnitten werden.

Bestätigen Sie Ihren Bildzuschnitt über den Button Schließen unterhalb des Fotos.

Schritt 3: Regulieren Sie Belichtung und Kontrast

Die Belichtungskorrektur erfolgt über die gemeinsame Verwendung der Werkzeuge Belichtungskorrektur, die Einfluss auf das gesamte Bild nimmt, und DxO Smart Lighting, das eine Bildanalyse vornimmt um gezielt Spitzlichter und/oder Schatten korrigiert.

Betrachtet man unseres Beispielfoto, so fällt auf dass die Bildbereiche, die das Innere der Fenster zeigen, deutlich zu dunkel sind und keine Detailabbildung ermöglichen. Klicken Sie auf den Button  im Histogramm, so wird diese Beobachtung noch durch Anzeige der zu dunklen Bildbereiche bestätigt.

Es wird auch deutlich dass in unserem Fall kein Informationsbeschnitt über das Histogramm vorgenommen werden sollte. Es wäre für unser Foto nicht von Nutzen und man würde sogar das Risiko eingehen, dem gesamten Bildkontrast zu schaden.

Wir bearbeiten daher nicht die globale Belichtung, sondern nehmen Einfluss auf die selektiven Tonwerte. Zunächst bestimmen wir den Weißpunkt und nutzen dann den noch verfügbaren Platz auf der rechten Seite des Histogramms.

Setzen Sie den Schieberegler Spitzlichter auf +85.

Die Palette Kontrast enthält drei Werkzeuge: den Schieberegler Kontrast, der sich auf das Gesamtbild auswirkt, den Schieberegler Mikrokontrast, der sich auf Bilddetails konzentriert und dabei Übergänge zwischen Farbpixeln und verschiedenen Tonalitäten herausarbeitet, und den Schieberegler Feinkontrast, der durch seine Konzentration auf Details mittlerer Größe einen weicheren Effekt erzielt als der Mikrokontrast.

Geben wir unserem Bild ein wenig mehr Pepp und stellen wir den Schieberegler Kontrast auf 40 und Mikrokontrast auf 30.

Hinweis

Wir haben uns gegen die Verwendung des Feinkontrasts im Rahmen dieses Tutorials entschieden, da diese Einstellung nur verfügbar ist, wenn Sie auch das FilmPack 5 Plug-in installiert haben. Der Feinkontrast wirkt sich auf mittelgroße Bilddetails aus und hebt diese hervor, wobei er gleichzeitig mögliche negative Effekte auf Gesichter unterbindet.

Schritt 4: Bearbeiten Sie die Farben

Es gibt zwei Werkzeugpaletten die Ihnen bei Bedarf für die Bearbeitung der Farben in Ihrem Bild zur Verfügung stehen.

Das eine ist die Palette Farb-Akzentuierung, die die Werkzeuge Sättigung und Vibrancy umfasst. Beide wirken sich auf das gesamte Bild aus. Vibrancy agiert dabei stufenweise und gibt den kalten Farbtönen den Vorrang.

In unserem Beispiel, in dem die Farben variieren, aber überwiegend warm sind, wird das Werkzeug Vibrancy bis auf die blaue Plane keinen großen Einfluss nehmen. Stellen Sie daher stattdessen den Schieberegler Sättigung auf +40.

Das zweite Werkzeug, das deutlich detaillierte Anpassungen ermöglicht, wirkt auf die Farbkanäle. Es handelt sich um das Werkzeug Farbton / Sättigung / Helligkeit.

Verleihen wir unserem Beispielbild ein wenig mehr Ausdruck und sehen uns daher den Gelbkanal genauer an. Der Farbton an sich bedarf keiner Änderung, aber wir stellen die Sättigung auf +45.

Zudem bearbeiten wir den Blauton der Folie noch ein wenig, die den Blick des Betrachters ablenkt. Wählen Sie dazu den Kanal Blautöne aus, stellen Sie die Sättigung auf -80 und die Helligkeit auf +85.

Bitte beachten Sie dass alle Bildbereiche, die dieselben Farben beinhalten, auch alle diesem Bearbeitungsmechanismus unterliegen. Manipulieren Sie Farben daher mit entsprechender Vorsicht.

Farben sind zudem höchst selten rein. Zumeist muss man verschiedene Farbkanäle kombinieren um bestimmte Bildbereiche zufriedenstellend bearbeiten zu können.

Tipp

Kombinieren Sie die Korrektureinstellungen mehrerer Farbkanäle, so können Sie alle auf einen Schlag durch Klick auf den Button  neben dem Dropdownmenü zur Auswahl der Farbkanäle wieder zurücksetzen.

3- Entwicklung von Straßenfotos in Schwarz-Weiß

Schritt 1: Konvertieren Sie Ihre Fotos in Schwarz-Weiß

Sobald Sie Ihr Originalbild in DxO OpticsPro öffnen, wird das Korrekturpreset DxO Standard angewendet, es sei denn Sie haben dies in den Einstellungen Ihrer Software ausgeschaltet.

In unserem Beispiel möchten wir unser Foto in Schwarz-Weiß konvertieren und stützen uns dabei auf ein spezielles Preset.

Klicken Sie auf den Button Preset anwenden  (oben rechts) und wählen Sie die Kategorie 2 – Schwarz-Weiß an. Miniaturansichten geben Ihnen einen ersten Eindruck davon wie Ihr Bild aussieht wenn Sie sich entscheiden das Preset anzuwenden.

Wir entscheiden uns für das Preset 1 – SW – Dicht.

Schritt 2: Richten Sie Ihr Bild neu aus

Auch hier muss das Foto zugeschnitten werden. Das Gitter links und auch die Kontur der einen Tür, die man am rechten Bildrand erahnen kann, wirken störend. Aktivieren Sie dazu das Werkzeug Zuschneiden wie zuvor beschrieben und klicken Sie auf die obere linke Bildecke. Reduzieren Sie die Bildgröße durch Ziehen des Mauszeigers zur Bildmitte bis Sie den gewünschten Bildausschnitt erreicht haben. Gehen Sie nun analog für die untere rechte Ecke vor und richten Sie den gewählten Bildausschnitt ggf. noch ein wenig aus. (In unserem Beispiel könnte man beispielsweise dem Schild „Office du Tourisme“ noch ein wenig mehr Platz nach oben gewähren.)

Bestätigen Sie Ihren neu gewählten Bildausschnitt durch Klick auf den Button Schließen unterhalb des Fotos.

Schritt 3: Korrektur der Tonwerte

Die Konvertierung eines Fotos in Schwarz-Weiß kann die Anpassung von Tonwerten erfordern, was stark vom Dynamikumfang Ihres Ursprungsbildes abhängt. Zu diesem Zweck verwenden wir das Werkzeug Selektive Tonwerte, das eine genaue Korrektur der Helligkeit jeder einzelnen Tonalität ermöglicht.

Jeder Tonwertregler entspricht einem bestimmten Bereich im Histogramm. Gehen wir die Schieberegler der Selektiven Tonwertedurch:

  • Die Spitzlichter ermöglichen die Bearbeitung der Tonwerte überbelichteter Bildbereiche, ganz besonders die Korrektur „ausgebrannter“ Stellen und den Weißabgleich.
  • Der Schieberegler Mitteltöne ist für die hellen Bildbereiche zuständig
  • Die Bearbeitung des Schiebereglers Schatten wirkt sich auf die dunklen Bildbereiche aus.
  • Der Schieberegler Tiefen ist für die Bestimmung des Schwarzpunkts zuständig und wird für die Korrektur extrem dunkler Tonwerte verwendet, also besonders für die unterbelichteten Stellen.

Um herauszufinden welche Tonwerte einer Korrektur bedürfen und wie stark diese Korrektur ausfallen sollte, muss man sich das Histogramm ansehen. Es zeigt unter anderem die Aufteilung der Tonwerte Ihres Fotos an und hilft Ihnen bei deren Anpassung.

Beginnen wir also mit der Bestimmung des Weißpunkts, da sich eine Lücke zwischen der Histogrammkurve und dem größtmöglichen Wert befindet. Setzen Sie die Spitzlichter daher auf +30.

Der Schwarzpunkt ist gut eingestellt. Nichtsdestotrotz kann man den Kontrast noch verstärken und den Schieberegler Tiefen auf -10 setzen. Nun geben wir dem ganzen ein wenig mehr Helligkeit und setzen den Schieberegler Mitteltöne auf +15.

Schritt 4: Passen Sie Kontrast und Textur an

Die Palette Kontrast ermöglicht die Bearbeitung des Gesamtbildkontrasts über den Schieberegler Kontrast, aber auch die Einstellung von feinen Details und Textur mit Hilfe des Schiebereglers Mikrokontrast.

In unserem Bildbeispiel erweist sich der über die Autokorrektur mit +50 eingestellte Kontrastwert als optimal. Der Mikrokontrast sollte allerdings noch ein wenig verstärkt werden, damit wir den Steinen ein wenig mehr Kontur verleihen können. Dadurch, dass die Personen im Bild doch recht weit entfernt stehen, ist durch die Verstärkung des Mikrokontrasts dort keine Verschlechterung zu befürchten wie es bei einem Portrait der Fall wäre. Der Schwarz-Weiß-Modus ermöglicht uns so eine schöne und wichtige Akzentuierung.

Stellen Sie also den Schieberegler Mikrokontrast auf 50.

Fotos : Christophe Gressin, Hector Martinez