DxO ViewPoint

Volumendeformation verstehen

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

In diesem Tutorial erklären wir wie Volumendeformation entsteht und welche Arten von Verzeichnung es gibt. Sie lernen auch wie Sie beides mit Hilfe von DxO Optics Pro 9 und DxO ViewPoint 2 korrigieren können.

Um dieses Tutorial nachvollziehen zu können, benötigen Sie:

  • DxO Optics Pro 9 oder DxO ViewPoint 2
  • Fotos im RAW-Format (nur für Optics Pro), TIFF oder JPEG

1- Volumenanamorphose oder Verzeichnung?

Der Unterschied zwischen Volumendeformation und Verzeichnung

Die beiden Begriffe Volumendeformation (oder Anamorphose) und Verzeichnung werden häufig fälschlicherweise von Fotografen synonym verwendet.

Volumendeformation wird von Weitwinkelobjektiven hervorgerufen und beeinflusst die Form und damit das Volumen der Bildobjekte. Sie taucht immer dann auf wenn sich das Objekt am Bildrand befindet. Diese Deformation kann unter zwei unterschiedlichen Aspekten auftauchen: Zum einen über das Syndrom des «dicken Kopfs», zum anderen über recht ausladend wirkende Körper und Figuren.

Die Verzeichnung hingegen zeigt sich vorwiegend bei gerade Linien und wird zumeist ebenfalls durch Objektive mit kurzen Brennweiten hervorgerufen.

Die Verzeichnung kann auch schlichtweg mit den Eigenschaften des Objektivs verbunden sein und Einfluss auf das gesamte Bild nehmen. Bitte beachten Sie dass die Anamorphosekorrektur besser funktioniert wenn zuvor die Verzeichnung korrigiert wurde.

Tonnenförmige Verzeichnung / Kissenförmige Verzeichnung

Wie entsteht die Volumendeformation?

Die Volumenanamorphose ist im Grunde darauf zurückzuführen, dass der Fotograf versucht eine dreidimensionale Welt in nur zwei Dimensionen einzufangen. Die uns allen bekannte Abbildung unserer Weltkarte ist ein gutes Beispiel dafür.

Egal für welches Abbildungsmodell man sich entscheidet, beide haben ihre Defizite.

Möchte ein Fotograf nun ein flaches oder dreidimensionales Objekt fotografieren, so ist das Ergebnis keinesfalls dasselbe.

Nehmen wir uns dazu folgendes Beispiel zu Hilfe, in dem zum einen ein flaches Subjekt, zum anderen ein dreidimensionales Subjekt fotografiert werden soll:

1: zweidimensionale vertikale Objekte / 2: Optische Mitte / 3: zweidimensionales Bild

4: vertikale zylindrische Objekte / 5: Optische Mitte / 6: zweidimensionales Bild

Wir sehen auf einen Blick dass die Proportionen im Fall der zylindrischen Objekte nicht wirklich eingefangen werden. Im Grunde gibt es zwei wichtige Punkte, die es zu verstehen gilt um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen:

  • Je kürzer die Brennweite (F), desto länger die Distanz (D) zur Mitte und je ausgeprägter die Deformation
  • Je weiter das Bildsubjekt von der Achse entfernt ist, desto stärker macht sich dieses Phänomen bemerkbar
  • Mit einem klassischen Objektiv ist die Verzeichnung begrenzt, da sie in direktem Zusammenhang mit dem Objektiv selbst steht. Die Volumendeformation hingegen lässt sich sehr deutlich veranschaulichen.

Canon 1DMII + Sigma 12-24 mm

Die Verwendung eines Fisheye-Objektivs kann diese Volumendeformation weitestgehend unterdrücken:

Canon 1DMII + Sigma 15 mm Fisheye

Aber wie man an diesem Bild gut erkennt, nimmt dann die Verzeichnung an Stärke zu.

Die Regeln der Messgeometrie bedeuten daher dass es in der Praxis unmöglich ist gleichzeitig gerade Linien und eine Wiedergabe dreidimensionaler Objekte ohne Deformation umzusetzen.

Korrektur von Volumendeformation und Verzeichnung

Nehmen wir uns die beiden zuvor gezeigten Bilder vor und korrigieren wir also nacheinander Volumendeformation und Verzeichnung.

Links: Korrektur der Volumendeformation / Rechts: Korrektur der Verzeichnung

Wir können also festhalten dass die Korrektur des einen optischen Fehlers den anderen entsprechend verstärkt. Daher ist das Finden eines bestmöglichen Kompromisses unabdingbar, aber wie genau dieser Kompromiss aussieht hängt stark vom jeweiligen Bild ab und ist daher extrem schwierig in einer automatischen Korrektur abzubilden.

Es ist möglich die Volumendeformation zu quantifizieren und zu sehen wie sie sich über die Brennweiten hinweg entwickelt. Die folgende Grafik wurde für ein Objekt erstellt, das sich um etwa 20% zum Bild hin verdreht hat.

Streckung (%) in Abhängigkeit von Brennweite (eq. 24 x 36 mm)

Die Sensibilitätsschwelle wird bei einer Brennweite von 24 mm (entspricht 24 x 36 mm) auf ca. 15% geschätzt. Jenseits der 25% (was unterhalb von 17mm auftaucht, also der unterhalb der Entsprechung von 24 x 36 mm) wird die Schwere des optischen Fehlers als zu groß betrachtet um ihn nicht zu korrigieren.

2- Korrektur von Volumendeformationen mit DxO Optics Pro 9 und DxO ViewPoint 2

Die verfügbaren Werkzeuge

DxO Labs hat Korrekturwerkzeuge für die Volumendeformation entwickelt, die es ermöglichen die Verzeichnung in Bildern zu beseitigen. Sie ermöglichen die Anwendung von Korrekturen auf zwei verschiedene Arten:

  • Sphärische Korrektur  : Die bessere Korrektur, die allerdings Verzeichnung hervorruft
  • Zylindrische Korrektur  : Eine alternative Korrekturmöglichkeit, die der Verzeichnung Einhalt gebietet

Die sphärische Korrektur

Das Werkzeug zur sphärischen Korrektur ist leistungsstark und erlaubt die Korrektur von Volumendeformation im gesamten Bild.

Zur Aktivierung dieser Korrektur genügt ein Klick auf  in der Palette Volumendeformation in DxO ViewPoint (oder die Wahl der Option Diagonal in DxO Optics Pro).

VORHER

NACHHER

Die Gesichter und Körper haben ihre Proportionen zurückerlangt und das Foto überzeugt durch seine Homogenität.

Diese Korrektur wird auch dann vorgenommen wenn sich keine Gesichter im Bild befinden. Wichtig ist nur dass sich das Subjekt am Bildrand befindet und über ein gewisses Volumen verfügt.

VORHER

NACHHER

Die Korrektur hat die ursprünglichen Proportionen der Statue wieder hergestellt.

Die hervorgerufene Verzeichnung hingegen deformiert die Linien am Bildrand ganz erheblich.

VORHER

NACHHER

Die Volumenproportionen sind wieder hergestellt, aber die vertikalen/horizontalen Linien gehen dafür verloren.

In diesem Beispiel sind die durch die Verzeichnung hervorgerufenen Deformationen der Bodendielen extrem unschön. In einem solchen Fall bietet sich die Verwendung der zylindrischen Korrektur an.

Die zylindrische Korrektur

Als alternative Lösung erzielt das Werkzeug der zylindrischen Korrektur zwar bessere Ergebnisse bei der Verzeichnungskorrektur, aber es korrigiert die Volumendeformation nicht vollständig.

Sie ermöglicht allerdings die effiziente Korrektur von Volumendeformation im horizontalen Sinne, wie dem Syndrom unförmiger Körper, das zu Beginn dieses Tutorials erwähnt wurde.

Zur Aktivierung dieses Werkzeugs klicken Sie auf  in der Palette Volumendeformation in DxO ViewPoint (oder wählen Sie die Option Horizontal/Vertikal in DxO Optics Pro).

Für das vorherige Bildbeispiel wäre diese Art der Korrektur die bessere Lösung.

VORHER

NACHHER

Die Volumenkonsistenz wird beibehalten während die vertikalen/horizontalen Linien wieder hergestellt werden.

3- Zusammenfassung

Volumendeformation und Verzeichnung zeigen sich nicht auf die gleiche Art und Weise in einem Foto. Je nach Subjekt wird die Volumendeformation bei dreidimensionalen Objekten auffällig – und zwar umso mehr, je kürzer die Brennweite ist und je näher sich das Objekt am Bildrand befindet. Die Verzeichnung hingegen betrifft vor allem gerade Linien.

Leider ist es nicht möglich beide Deformationen effizient gleichzeitig zu korrigieren, da die Korrektur der einen den Effekt der anderen begünstigt. Es ist daher notwendig einen Kompromiss einzugehen und DxO ViewPoint 2 sowie DxO Optics Pro stellen deshalb zwei Korrekturwerkzeuge zur Verfügung :

  • Ein sphärisches Korrekturwerkzeug, das besonders leistungsstark bei der Korrektur von Volumendeformation ist, aber eine recht starke Verzeichnung hervorruft
  • Ein zylindrisches Korrekturwerkzeug, das als Alternative zur Korrektur von Verzeichnung zur Verfügung steht

Fotos: Patrick Gaillardin / Laetitia d’Aboville / JL Dubin / Beboy photographies / Olivier Lambolez