DxO PhotoLab

Weißabgleich mit DxO OpticsPro

In Zusammenarbeit mit Christophe Gressin

Wir zeigen Ihnen in diesem Tutorial wie Sie den Weißabgleich einsetzen um durch künstliches Licht hervorgerufene dominierende Bildmerkmale auszugleichen (wie Glühbirnen- oder Neonlicht) und Ihren Bildern einen natürlicheren Look zu verleihen.

Um dieses Tutorial nachzuvollziehen, benötigen Sie:

  • DxO OpticsPro 10, Essential oder Elite
  • Ein Bild im RAW- oder JPEG-Format

1- Weißabgleich

Der Weißabgleich bei RAW-Bildern

In diesem Tutorial verwenden wir eine RAW-Datei, da dieses Format den Vorteil hat, dass man sich einem non-destruktiven und reversiblen Workflow widmen kann. Es bietet zudem eine Vielzahl an Korrekturmöglichkeiten. Wir werden auch zeigen wie man diese Einstellungen an JPEG-Dateien vornimmt, aber da es sich bei JPEG-Dateien um Daten handelt, die bereits von dem Prozessor Ihrer Kamera bearbeitet wurden, ist eine präzise Retusche wie bei Bildern im RAW-Format unmöglich.

Der Weißabgleich in der Digitalfotografie

Der Weißabgleich dient der Korrektur von Farbdominanzen, die durch bestimmte Lichtverhältnisse in einem Bild hervorgerufen werden. Er kann schon bei der Aufnahme durch Verwendung eines Referenzwerkzeugs vor der Kamera, wie z.B. eine Graukarte, vorgenommen werden. Ein Fotograf jedoch hat im Regelfall auch ein Interesse daran, den Weißabgleich aufgrund der Feinheiten und Flexibilität der zur Verfügung stehenden Werkzeuge in DxO OpticsPro vorzunehmen.

Die Farbtemperatur

Die Farbtemperatur ermöglicht die Bestimmung der Temperatur einer Lichtquelle auf Basis ihrer Farbe. Sie wird in Kelvin (K) gemessen und hängt von der jeweiligen Lichtquelle ab. Man spricht von warmem Licht, das durch Gelb dominiert wird, wenn es sich um Lichtquellen des Type Halogenlampe handelt (Werte kleiner als 5800 K) und von kaltem Licht, das von Blau dominiert wird, beispielsweise bei elektrischem Blitzen (Werte größer als 5800 K). Eine Farbtemperatur von 5800 K entspricht dem Tageslicht wenn die Sonne im Zenit steht (ohne eine dominante Farbe). .

2- Weißabgleich in DxO OpticsPro

Wir öffnen nun in Dxo OpticsPro unser Bild, das eine neutralgraue Referenz enthält.

Klicken Sie auf das Register Bearbeiten  um Korrekturen an Ihrem Bild vorzunehmen.

In der Palette Wesentliche Werkzeuge markieren Sie das Modul Weißabgleich (sofern es nicht schon aktiviert ist). Die Bearbeitungspalette enthält drei Werkzeuge:

  • Die Pipette , die man auf ein neutrales Bildelement anwendet.
  • Das Auswahl-Menü, das eine Auswahl an Lichtsituationen enthält.
  • Die Schieberegler Farbtemperatur und Farbton für die Feineinstellung. Ersterer ist für die Einstellung der Farbtemperatur in Kelvin (K) gedacht, letzterer erlaubt die Feinjustierung auf der Grün/Magenta-Achse zur Korrektur dominanter Farben in der Aufnahme.

Hinweis

Die Histogrammwerte geben Ihnen einen Anhaltspunkt dafür ob Sie Ihre Referenz gut gewählt haben. Sind die RGB-Werte ähnlich, bedeutet es, dass es keine dominante Farbe mehr gibt und dass der vorgenommene Weißabgleich gelungen ist. Beachten Sie in diesem Zusammenhang dass es wichtig ist, an einem kalibrierten Monitor zu arbeiten.

3- Automatischer Weißabgleich

In diesem Abschnitt nehmen wir einen automatischen Weißabgleich unseres Bildes mit Hilfe der zahlreichen voreingestellten Korrekturen vor, mit denen DxO OpticsPro aufwartet.

Das Menü Auswahl bietet vordefinierte Einstellungen für den Weißabgleich in Abhängigkeit von Ihrer Digitalkamera (sie sind daher von Foto zu Foto je nach verwendeter Kamera unterschiedlich). Man greift darauf zurück um häufig vorkommende Fälle abzudecken: Fotos, die bei Glühbirnenlicht aufgenommen wurden, unter Neonlicht (Leuchtstoffröhre) oder Bilder, die im Schatten oder bei bewölktem Himmel entstanden sind.

Die folgenden Bildbeispiele verdeutlichen die Unterschiede– von links nach rechts: zunächst das Originalbild und dann zwei vordefinierte Einstellungen, die wir auf unser Bild anwenden – Blitz und Glühlampe. Die Einstellung Original bezieht sich auf die Kamera und die Wiedergabe, die im Moment der Aufnahme gewählt war.

4- Manueller Weißabgleich mit dem Pipetten-Werkzeug

In diesem Abschnitt nehmen wir einen manuellen Weißabgleich mit der Pipette vor, die wir auf einen neutralgrauen Bildbereich anwenden.

Aktivieren Sie das Pipetten-Werkzeug in der Palette Weißabgleich durch Klick auf das Icon  . Verwenden Sie die Pipette und klicken Sie auf einen neutralgrauen Referenzbereich im Bild. Hier wählen wir das Hemd des Gasts rechts im Bild.

Nun ist Ihr Weißpunkt korrekt gesetzt. Klicken Sie auf den Button Schließen unterhalb des Bildes. Sind Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden, klicken Sie auf den Button Zurücksetzen und kehren Sie so zu den Originaleinstellungen zurück.

Hinweis

Nach erfolgtem Weißabgleich kann es vorkommen, dass Sie die Belichtung korrigieren müssen. Das liegt daran, dass diese Korrektur Einfluss auf die Farbkanäle nimmt und daher die ursprüngliche ausgewogene Belichtung stören kann.

Die Korrektur mit der Pipette ist ein guter Ausgangspunkt bei der Bestimmung des Weißpunkts. Dennoch erhalten Sie – je nach gewählter Einstellung – eine Stimmung, die der originären Lichtsituation mehr oder weniger nahe kommt. Möchten Sie eine Stimmung wiedergeben, die derjenigen am nächsten kommt, die bei der Aufnahme vorherrschte, so haben Sie die Möglichkeit über die Schieberegler Farbtemperatur und Farbton Feinjustierungen vorzunehmen.

5- Manueller Weißabgleich mit den Schiebereglern Farbtemperatur und Farbton

Nun setzen wir uns mit der dritten in DxO OpticsPro gebotenen Möglichkeit für den Weißabgleich auseinander – mit den Schiebereglern Farbtemperatur und Farbton.

Es ist möglich diesen Weg zu wählen, wenn das Bild kein Element enthält, das ausreichend neutral ist. Sie können sich also nun auf der Basis des Originalbilds entweder über die Verwendung der Pipette und darauf folgender Feinjustierungen oder gleich manuell an das gewünschte Resultat herantasten.

Der Schieberegler Farbtemperatur passt die Werte in Kelvin (K) an: wie die Farbgebung des Schiebereglers andeutet, lässt eine Verschiebung nach links das Bild kälter, eine Verschiebung nach rechts lässt es wärmer werden.

Der Schieberegler Farbton seinerseits ermöglicht als zweite Komponente des Weißabgleichs den Ausgleich eventueller grüner oder magentafarbener Bildbereiche.

Spielen Sie ruhig ein wenig mit der Stimmung im Foto und probieren Sie realistische oder «kreativere» Einstellungsmöglichkeiten aus, die entweder den kalten oder warmen Farbtemperaturen den Vorzug geben.

Hinweis

In unserem Beispiel entscheiden wir uns für einen wärmeren Effekt als zuvor und korrigieren den Magenta-Anteil. Wir haben die folgenden Werte gewählt:

  • Farbtemperatur: 3000K
  • Farbton: 40

6- Wie übertrage ich meine Einstellungen auf eine Bilderserie?

Sie können Ihre Einstellungen auf alle Bilder anwenden, die unter denselben Lichtbedingungen entstanden sind.

Im Bildexplorer machen Sie einen Rechtsklick auf Ihr Bild und wählen aus dem Kontextmenü den Befehl Korrektureinstellungen kopieren. Wählen Sie als nächstes ebenfalls im Bildexplorer das Foto oder die Bilder aus, auf die Sie diese Einstellungen übertragen möchten. Rechtsklicken Sie auf eines der Bilder und wählen Sie im Kontextmenü den Befehl Korrektureinstellungen einfügen. Ihre Korrekturvorgabe wird nun angewendet.

7- Wie ändere ich den Weißpunkt bei JPEG-Dateien?

Auch wenn es sich bei einem JPEG um eine bereits von der Kamera bearbeiteten Datei handelt, können Sie den Weißpunkt über den Schieberegler Farbtemperatur, der in dem Fall dann nicht durch den Schieberegler Farbton ergänzt wird, anpassen. Es ist möglich, einem Bild mehr Wärme oder Kühle zu verleihen. Die Pipette steht dafür nach wie vor zur Verfügung. Bei Öffnen Ihrer JPEG-Datei in DxO OpticsPro wird automatisch die Palette Wesentliche Werkzeuge wie beschrieben angepasst.

Fotos : Carlos Andres Varela